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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 32, Zeilen: 1-29, 113-117
Quelle: Faulstich 1988
Seite(n): 11-13, Zeilen: 11:13-40 - 12:1-4.33-43 - 13:3-7
[In der Bundesrepublik wurde allerdings weiterhin das inhaltsanaly]tische Vorgehen von Albrecht benutzt. Anhand der „Chronologischen Bibliographie zur Filmanalyse“7 lassen sich drei ,Entwicklungsphasen' bzw. Schwerpunkte unterscheiden. Die erste Phase reicht von den Anfängen 1964 bis ins Jahr 1976 und lässt sich unter der Chiffre „Methodenvielfalt“ zusammenfassen.8 Dann folgen ideologiekritische Arbeiten, 1971 von Bernward Wember und vor allem die wegweisende Studie von Friedrich Knilli und Erwin Reiss, welche in ihrer Filmanalyse verstärkt die Kategorien der klassischen Rhetorik miteinbeziehen. Die methodischen Ansätze sind vielfältig: 1972 bei Herbert Birett mathematisch, 1973 bei Hans Lohmann literaturwissenschaftlich, 1975 bei Peter Beckmann formal und funktional, 1976 bei Calvin Prysluck strukturalistisch und 1980 bei Günther Salje psychoanalytisch. Obwohl es Filmwissenschaft als Disziplin damals noch nicht gab, versuchte Faulstich 1976 einen filmwissenschaftlichen Ansatz zu finden. Später wurden noch weitere methodische Ansätze ins Gespräch gebracht: 1977 die differentielle Filmanalyse von Holger Rust und die Wirkungsanalyse von Wilhelm Salber, 1979 die praxisbezogene Filmanalyse von Jan Uwe Rogge, 1980 die absatzorientierte Filmanalyse von Ulrich Fischer und 1985 die phänomenologische Filmanalyse von Mathias Winkler. Schon 1976 sprach man allerdings bereits von einer „Methodologie“ der Filmanalyse (Leonid Koslow) und suchte seitdem nach einem umfassenderen Konzept. Die zweite Phase reicht demnach von 1976 bis etwa 1980 und ist durch Einzelwerkanalysen charakterisiert.9 Diese Beiträge sind werkorientiert, d.h. es geht um die Erschließung einzelner Filme mit dem bislang entwickelten Instrumentarium. Eine dritte Phase schließlich reicht von 1980 bis heute und lässt sich mit dem Signum „Theorieorientiertheit“10 charakterisieren. Es wird versucht, die breite Kluft zwischen abstrakter Filmtheorie und konkreter Einzelfilmanalyse zu überbrücken. Die sogenannte Filmsemiotik, die Günter Bentele mehrfach (1979, 1980) vergestellt hat, fand hier regen Zuspruch.11 Neben Filmästhetik und Filmsemiotik ist für diese jüngste Entwicklungsphase außerdem noch die Filmgeschichte anzuführen, die in Beiträgen von Jens Malte Fischer (1983) bzw. in den Sammelbänden von [Kreuzer, Buchloh/Becker/Schröder sowie Paech bei der Einzelwerkanalyse gelegentlich ins Zentrum der Fragestellung gerückt wird.]

7 Chronologische Bibliographie zur Filmanalyse in: Filmanalyse interdisziplinär, hrsg. von Körte, Faulstich, 1991, S. 15-19.

8 Vgl. ebd., S. 11.

9 Vgl. ebd.

10 Literatur dazu siehe ebd., vgl. S. 12.

11 Siehe Werner Faulstichs Beitrag zur Filmästhetik (1982), sowie: Der Bastard als Zombie. Ein polemisches Statement zur sog. Film- und Fernsehsemiotik, in: Medien und Erziehung, 26. Jg. (1982), H. 6, S. 343-347, und Günter Bentele Antwort mit einem Beitrag: Über Bastarde, Zombies und akademische Wadlbeisser. Eine nicht ganz unpolemische Antwort auf Werner Faulstich, in: Medien und Erziehung, 27. Jg. (1983), H. 6, S. 356-364.

[Seite 11]

Während in der DDR drei Jahre später sogenannte kybernetische Ansätze zur Filmanalyse entwickelt wurden (vgl. die Wuss-Redeker-Debatte), hat Albrecht in der Bundesrepublik den inhaltsanalytischen Ansatz eingebracht. Anhand der „Chronologischen Bibliographie zur FILMANALYSE“ lassen sich sodann drei Entwicklungsphasen unterscheiden. Damit werden nur Schwerpunkte genannt, Tendenzen der Diskussion, keine exakt abgrenzbaren Perioden. Die Phase I reicht von den Anfängen 1964 bis ins Jahr 1976 und ließe sich unter der Chiffre „Methodenvielfalt“ zusammenfassen. Es begann - wie erwähnt - mit dem inhaltsanalytischen/sozialwissenschaftlichen bzw. dem kybernetischen Ansatz. Dann folgten ideologiekritische Arbeiten, etwa 1971 von Bernward Wember und wegweisend vor allem die Studie von Friedrich Knilli und Erwin Reiss. Diese erste Monographie der Filmanalyse bezog verstärkt Kategorien der klassischen Rhetorik in die Diskussion ein.

In den Titeln der nachfolgenden Arbeiten werden die vielfältigen methodischen Ansätze noch deutlicher: 1972 mathematisch bei Herbert Birett, 1973 literaturwissenschaftlich bei Hans Lohmann, 1975 formal und funktional bei Peter Beckmann, 1976 strukturalistisch bei Calvin Prysluck und psychoanalytisch bei Günther Salje (letzteres wurde 1980 als Buch vorgelegt). Mein eigener kleiner Beitrag 1976 war der Versuch, dem Film umfassender gerecht zu werden - gewissermaßen filmwissenschaftlich (obwohl es ja eine Filmwissenschaft als Disziplin damals noch gar nicht gab). Auch später wurden noch vereinzelt neue methodische Ansätze ins Gespräch gebracht: 1977 die differentielle Filmanalyse von Holger Rust und die Wirkungsanalyse von Wilhelm Salber, 1979 die praxisbezogene Filmanalyse von Jan Uwe Rogge, 1980 die absatzorientierte Filmanalyse von Ulrich Fischer, 1985 die phänomenologische Filmanalyse von Mathias Winkler, - aber erstmals 1976 sprach man bereits von einer „Methodologie“ der Filmanalyse (Leonid Koslow). Nach einer Anfangsphase mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen suchte man ab 1976 offenbar nach einem umfassenderen Konzept.

Die Phase II reicht von 1976 bis etwa 1980 und ließe sich wohl am besten mit der

[Seite 12]

Chiffre „Einzelwerkanalyse“ charakterisieren. Die Beiträge in dieser Zeit sind weniger methodenreflexiv als vielmehr werkorientiert; es geht zumeist um die Erschließung einzelner Filme mit dem bislang entwickelten, erprobten, vorgestellten, diskutierten Instrumentarium. [...]

[...]

Die Phase III schließlich reicht von 1980 bis heute und läßt sich bislang vielleicht mit dem Signum „Theorieorientiertheit“ charakterisieren. Typisch ist mein Beitrag zur Filmästhetik (1982), wo versucht wird, die breite Kluft zwischen abstrakter Filmtheorie und konkreter Einzelfilmanalyse zu überbrücken. Größeres Echo freilich hat die sogenannte Filmsemiotik hervorgerufen, die Günter Bentele mehrfach (1979, 1980) vorgestellt hat - woraus sich dann eine kleine Debatte entwickelte. Zum Spaß seien hier nur die (vielsagenden) Titel der Beiträge genannt: Meine eigene Polemik gegen die sogenannte „semiotische Film- bzw. Fernsehanalyse“ hieß „Der Bastard als Zombie“ (1982). Günter Bentele antwortete darauf mit einem bissigen Beitrag „Über Bastarde, Zombies und akademische Wadlbeisser“ (1983), gefolgt wiederum von Joachim Paech, der

[Seite 13]

mit dem Titel „Von Körperfressern, Zombies und Bastarden“ (ebenfalls 1983) eine weitere Variante einbrachte.

Neben Filmästhetik und Filmsemiotik wäre für die dritte, jüngste Entwicklungsphase vielleicht noch die Filmgeschichte anzuführen, die in Beiträgen wie von Jens Malte Fischer (1983) bzw. in den Sammelbänden von Kreuzer, Buchloh/Becker/Schröder sowie Paech bei der Einzelwerkanalyse gelegentlich ins Zentrum der Fragestellung gerückt war.

Anmerkungen

Hier wird die detaillierte Geschichte der Filmanalyse von Faulstich zwar leicht umformuliert (z.B. in der Wortreihenfolge verändert) und in Phase II gekürzt, aber kurzerhand en bloc übernommen. Selbst der "Spaß", den sich Faulstich mit der Nennung der Titel zur Debatte um die Filmsemiotik macht, taucht noch partiell in einer Fußnote auf.

Bezeichnenderweise geht Uo mit dem chronologischen Abriss auch nicht über das Jahr 1988 hinaus - die Entwicklungen seitdem bis zum Jahr 2001 (dem Erscheinungsdatum der Dissertation) werden, wenn überhaupt, nur kursorisch in der Aussage "Es ist immer noch nicht gelungen, die verschiedenen Fachdisziplinen, die mit der Filmanalyse aus verschiedenen Perspektiven, Methoden oder Erkenntnisinteressen zu tun haben, miteinander ins Gespräch zu bringen." auf Seite 33 erfasst.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

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