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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 40, Zeilen: 1-34
Quelle: Hohenberger 1998
Seite(n): 10, 12, 13, 14, Zeilen: 10:4-10.22-26; 12:7-16.20-28.34-37; 13:3-13.22-29; 14:18-26
[Der Einfluss des Radios als „Leitmedium“ der] zwanziger und dreißiger Jahre trug zu einer Entwicklung des Dokumentarfilms bei, die Grierson als ein Genre des realistischen Films einstuft. „John Grierson ist der Vater der Dokumentarfilmbewegung in der englischsprachigen Welt“, schreibt Barsam.43 Den Beginn dieser Bewegung legt er mit der Gründung der Filmabteilung am Empire Marketing Board (einer staatlichen PR-Einrichtung) auf das Jahr 1927 fest. Grierson war zu diesem Zeitpunkt 23 [sic] Jahre alt, zwei Jahre jünger als Vertov. Vertov war durch die Erfahrung der russischen Revolution beeinflusst und hat zwischen 1922 und 1925 in seinen Filmen der als Chronik organisierten Wochenschau von Pathé oder Gaumont die Analyse komplexer Themen gegenübergestellt. Seine Theorie steht in Beziehung zur russischen Avantgarde, des Futurismus, des Konstruktivismus und Formalismus. Grierson, der in Schottland Sozialwissenschaften und den USA (Chicago) Massenkommunikation und Public Relations studiert hat, ist politisch, publizistisch und pädagogisch am Film interessiert.44 Seine Idee des Dokumentarfilms stammt aus den politischen Wissenschaften. Um Mängel im Erziehungswesen zu beseitigen, wird zunächst der Einfluss des Journalismus genutzt. Erst später wird bei ihm die Anhäufung von Tatsachen im Film zur lebendigen Geschichte (story).45 Griersons Dokumentarfilmtheorie stützt sich stark auf die Schriften des amerikanischen Politologen Walter Lippmann über den modernen Verwaltungsstaat. Diese beruhen auf dem uneinlösbaren Ideal des „mündigen Bürgers“, der informiert an gesellschaftlichen Prozessen teilnehmen kann. Im Scheitern dieses Vorhabens sieht Lippmann eine der Ursachen für die Krise der Demokratie in den zwanziger Jahren. Er entwickelt ein Konzept über die an die Massenkommunikation gebundene Öffentlichkeit.46 Hierdurch beeinflusst er nachhaltig Griesons [sic] Dokumentarfilmtheorie. Durch Bindung an die Idee staatsbürgerlicher Aufklärung und Konsensbildung ist in ihr der Bildungs- und Erziehungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens von heute vorweg genommen worden. Der Dokumentarfilm soll Informationen über soziale Kontexte vermitteln, um eine demokratische Parteinahme der Bürger für Expertenmeinungen zu ermöglichen. Grierson verschafft dem Dokumentarfilm die Bedeutung eines realistischen Genres, welches Weltbilder vermittelt und verbindliche Werte im Rahmen demokratischer Gesellschaftsnormen schafft. Das sozial verantwortliche Genre steht im Gegensatz zum profitorientierten Spielfilm Hollywoodscher Prägung und verfügt über gesonderte Modalitäten von Produktion und Rezeption.47

43 Barsam: Nonfiction film, 1992, S. 77.

44 Vgl. Patrick Hörl: Film als Fenster zur Welt: Eine Untersuchung des filmtheoretischen Denkens John Grierson [sic] (Kommunikation audiovisuell, Bd. 20), Konstanz 1996, S. 22ff.

45 Vgl. Hohenberger: Dokumentarfilmtheorie, in: dies.: Bilder des Wirklichen, 1998, S. 13.

46 Vgl. auch Hörl: Film als Fenster zur Welt, 1996, S. 28.

47 Vgl. Hohenberger: Dokumentarfilmtheorie, in: dies.: Bilder des Wirklichen, 1998, S. 13/14.

[Seite 10]

Zwischen 1922 und 1925 erscheint in 23 Ausgaben Vertovs »Kinoprawda«, ein filmisches Gegenmodell zu den meist als Chronik verschiedenster Ereignisse eines bestimmten Zeitraums organisierten Wochenschauen von Pathé oder Gaumont. Vertov stellt dem additiven Prinzip der Wochenschau die analytische Durchdringung eines Gegenstands oder Themenkomplexes entgegen und nutzt die »Kinoprawda« zugleich als technisch-ästhetisches Experimentierfeld. [...]

[...] Es ist vielfach darauf hingewiesen worden, daß auch Vertovs Theorie im Kontext der russischen Avantgarde und ihrer vielfältigen Strömungen wie Futurismus, Konstruktivismus, Biomechanik, Literatur der Fakten oder Formalismus gelesen werden muß (s. Beilenhoff 1973).

[Seite 12]

Ganz im Gegensatz zu Vertovs Vorstellungen eines auch sprechenden Films der Fakten trug der Einfluß des Radios als »Leitmedium« der zwanziger und dreißiger Jahre zu einer Entwicklung des Dokumentarfilms bei, die ihn Grierson als ein Genre des realistischen Films bestimmen ließ. »John Grierson ist der Vater der Dokumentarfilmbewegung in der englischsprachigen Welt«, schreibt Barsam (1992, 77) und legt den Beginn dieser Bewegung mit der Gründung der Filmabteilung am Empire Marketing Board (einer staatlichen PR-Einrichtung) auf das Jahr 1927 fest. Grierson war zu diesem Zeitpunkt 29 Jahre alt, zwei Jahre jünger als Vertov. [...]

Grierson studiert in Glasgow Sozialwissenschaften und drei Jahre in den USA Massenkommunikation und Public Relations. Sein Interesse am Film ist von vornherein politisch, publizistisch und pädagogisch geprägt. »Die Idee des Dokumentarfilms in seiner jetzigen Form stammt keineswegs von Filmleuten, sondern aus der Schule der politischen Wissenschaften in Chicago in den zwanziger Jahren. Wir studierten sehr genau die Theorien von Lippmann und fragten uns, was wir tun könnten, um die von ihm aufgezeigten Mängel im Erziehungswesen zu füllen. [...] Deshalb wollten wir weg von der reinen Anhäufung von Tatsachen und hin zur Geschichte (story), in der die Fakten in eine lebendige, organische Beziehung zueinander gesetzt werden.« (Grierson, zitiert in Decker 1995, 108)

[Seite 13]

Griersons Dokumentarfilmtheorie stützt sich stark auf die Schriften des amerikanischen Politologen Walter Lippmann über den modernen Verwaltungsstaat. Dieser beruht auf dem falschen, weil uneinlösbaren Ideal des »mündigen Bürgers«, der an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen kompetent und informiert teilnehmen kann. Im unentwegten Scheitern dieser Partizipation des Bürgers sah Lippmann eine der wesentlichen Ursachen für die Krise der Demokratien in den zwanziger Jahren. Deshalb entwickelte er ein Konzept von Öffentlichkeit, das an die Massenkommunikation als integratives Moment komplexer Gesellschaften gebunden ist. [...] Durch ihre Bindung an die Idee staatsbürgerlicher Aufklärung und Konsensbildung ist in ihr der Bildungs- und Erziehungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ebenso vorweggenommen, wie sie selbst in der Konzeption der 1914 gegründeten BBC vorweggenommen war. Der Dokumentarfilm soll Informationen über soziale Kontexte vermitteln, um im Sinne demokratischer Partizipation eine Parteinahme der Bürger für eine Expertenmeinung zu ermöglichen.

[Seite 14]

Mit Grierson bekommt der Dokumentarfilm die Bedeutung eines realistischen Genres, das seine gesellschaftliche Funktion in der Bildung von Öffentlichkeit und politischem Konsens gewinnt. Dokumentarfilme vermitteln Weltbilder und schaffen konsensuale Werte im Rahmen demokratischer Gesellschaftsnormen. Mit Grierson etabliert sich der Dokumentarfilm auch als alternative Institution. Das sozial verantwortliche Genre steht im Gegensatz zum profitorientierten Spielfilm hollywoodscher Prägung und verfügt über gesonderte Modalitäten von Produktion und Rezeption.

Anmerkungen

Art und Umfang der über weite Passagen wortwörtlichen Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Griersons Alter im Jahre 1927 ist falsch angegeben.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

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