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Uo/Fragment 057 04

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 57, Zeilen: 4-9, 15-29
Quelle: Jutz und Schlemmer 1989
Seite(n): 62, 63, Zeilen: 62:19-40 - 63:1-6
Die Geschichte des Films umfasst wenig mehr als ein Jahrhundert. Hingegen erstreckt sich seine Vorgeschichte, welche eng mit einer Kulturgeschichte der Wahrnehmung bzw. der visuellen Ausdrucksformen verknüpft ist, über einen weit größeren Zeitraum. Eine vorrangige Aufgabe der Historiographie des Films ist die Einteilung und Periodisierung der abgelaufenen Zeit. Der Zeitbegriff steht im Zentrum der Überlegungen. [...]

Dieses Zitat von Michael Schmolke verweist auf Fernand Braudel, der als Vertreter der französischen Historikergruppe der Annales versucht hat, das angesprochene Problem zu lösen. Misstrauisch gegenüber einem einzigen, linearen Zeitbegriff setzte er auf die Pluralität der historischen Zeitabläufe und unternahm eine dreifache Schichtung der Zeitebenen nach Maßgabe ihrer Dauer.2 Im folgenden wird Braudels Drei-Schichten-Modell hinsichtlich seiner Verwertbarkeit für die Filmgeschichtsschreibung untersucht. Die erste Ebene betrifft Zeitabläufe kurzer Dauer. Es ist die Ebene der Ereignisse und Individuen. Auf den Filmbereich übertragen entspricht diese einer Akzentuierung einzelner für die Entwicklung des Films relevanter Persönlichkeiten (wie z. B. Erfinder, Regisseure, Schauspieler etc.) und einzelner Ereignisse (wie z. B. technische Erfindungen, bestimmte Filme etc.). Bislang war der Untersuchungsbereich herkömmlicher Filmgeschichten ausschließlich hier angesiedelt.3 Die zweite Ebene befasst sich mit Zeitabläufen mittlerer Dauer, wobei „mittlere Dauer“ in Korrelation mit anderen Zeitebenen relativiert werden muss.


2 Vgl. Fernand Braudel: Geschichte und Sozialwissenschaften. Die Longue Durée, in: Schrift und Materie der Geschichte. Vorschläge zur systematischen Aneignung historischer Prozesse, hrsg. von M. Bloch, C. Honegger, Frankfurt 1977, S. 47-85.

3 Vgl. Gabriele Jutz/ Gottfried Schlemmer: Vorschläge zur Filmgeschichtsschreibung, in: Filmgeschichte schreiben, hrsg. von K. Hickethier, 1989, S. 61-67, hier S. 62.

[Seite 62]

Die Geschichte des Films im engeren Sinn umfaßt weniger als ein Jahrhundert. Seine Vorgeschichte hingegen, welche eng mit einer Kulturgeschichte der Wahrnehmung bzw. einer Geschichte visueller Haltungen und Ausdrucksformen verknüpft ist, erstreckt sich über einen weit größeren Zeitraum, eine vorrangige Aufgabe jeder Historiographie, so auch der Historiographie des Films, ist das Einteilen der abgelaufenen Zeit, ihre Periodisierung. In diesem Zusammenhang kann ein Blick auf die Geschichtswissenschaft selbst hilfreich sein, stellt doch der Zeitbegriff den Kern der Überlegungen des Historikers dar. In bewundernswerter Weise hat Fernand Braudel, ein Vertreter der französischen Historikergruppe der Annales, dieses Problem zu lösen versucht (vgl. Braudel 1949 und 1977). Mißtrauisch gegenüber einem einzigen, linearen Zeitbegriff setzt Braudel auf die Pluralität der historischen Zeitabläufe und unternimmt, nach Maßgabe ihrer Dauer, eine dreifache Schichtung der Zeitebenen. Im folgenden soll Braudels Drei-Schichten-Modell kurz repräsentiert und hinsichtlich einer Verwertbarkeit für die Filmgeschichtsschreibung überprüft werden.

Die erste Ebene betrifft Zeitabläufe kurzer Dauer, es ist die Ebene der Individuen und Ereignisse. Dem würde, übertragen auf den Filmbereich, eine Akzentuierung einzelner, für die Entwicklung des Films relevanter Persönlichkeiten (z.B. Erfinder, Regisseure, Schauspieler usw.) und Ereignisse (z.B. technische Erfindungen, einzelne Filme usw.) entsprechen, kurz,

[Seite 63]

der bisweilen ausschließliche Untersuchungsbereich herkömmlicher Filmgeschichten.

Die zweite Ebene befasst sich mit Zeitabläufen mittlerer Dauer, wobei „mittlere Dauer“ in Korrelation mit anderen Zeitebenen relativiert werden muss.


Braudel, Fernand (1949): La Méditerrannée et le monde méditeranéen à l'epoque de Philippe II. Paris.

Braudel, Fernand (1977): Geschichte und Sozialwissenschaften. Die longue durée. In: Claudia Honegger (Hrsg.): M. Bloch, F. Braudel, L. Fèbvre u.a. Schrift und Materie der Geschichte. Vorschläge zur systematischen Aneignung historischer Prozesse. Frankfurt, S. 47-85.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

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