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Uo/Fragment 063 14

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 63, Zeilen: 14-30
Quelle: Segeberg 1996
Seite(n): 354-355, Zeilen: 354:19-32.37 - 355:1-7
In der Geschichte technisch-industrieller Innovationen ist es die Regel, dass sich zukunftsweisende Neuentwicklungen im Anschluss an ihre mehr oder weniger spektakuläre Erstpräsentation nur in sehr sprunghaften Entwicklungsschüben entfalten. Dies trifft auch auf die Kinematographie in der Epoche der bis etwa 1905/06 dominierenden Variété-, Jahrmarkt- und Wanderkinos zu. Trotz aller Anlaufschwierigkeiten gelang es mit Hilfe der Perfektionierung von Kamera-, Schnitt- und Montagetechniken die vorrangige Beeinflussung der Geschwindigkeits- und Heterogenitätserfahrungen durch die Kinematographen zu etablieren. Als die akustische Akzentuierung des Visuellen und die ersten „Tonbilder“ hinzukamen, wurde dem Bedürfnis eines Großstädters kongenial Rechnung getragen. Der sich zwischen 1906 und 1910 durchsetzende Übergang vom Kürzestfilm der Anfangsjahre zum Kurzfilm der Kinofrühzeit, sowie dessen Erweiterung zum rund einstündigen Spielfilm der zehner Jahre, haben sowohl die Aufnahme- und Projektionstechniken als auch die formalen Gestaltungsmöglichkeiten des Films nachhaltig inspiriert. Am Ende des Ersten Weltkriegs wurde endgültig die für die kulturelle Gleichwertigkeit des neuen Mediums entscheidenden Phase des abendfüllenden Langfilms erreicht.30

30 Vgl. Segeberg: Mobilisierung des Sehens, 1996, S. 355; vgl. auch Müller: Frühe deutsche Kinematographie, 1994.

[Seite 354]

Es ist in der Geschichte technisch-industrieller Innovationen ja kein Einzelfall, sondern eher die Regel, daß zukunftsweisende Neuentwicklungen sich gerade im Anschluß an ihre mehr oder weniger spektakulären Erstpräsentationen vorerst nur in sehr ungleichzeitigen Entwicklungsschüben entfalten können. So auch die Kinematographie in der Epoche der bis etwa 1905/06 dominierenden Varieté-, Jahrmarkt- und Wanderkinos.

Doch trotz aller Anlaufschwierigkeiten gelang es der frühen Kinematographie erstaunlich schnell, mit Hilfe einer zügigen Perfektionierung von Kamera-, Schnitt- und Montagetechniken eine Zuständigkeit des Kinematographen für Geschwindigkeits- und Heterogenitätserfahrungen zu etablieren, die zumal dann, als die akustische Akzentuierung des Visuellen oder erste „Tonbilder“ hinzukamen, „dem Bedürfnis [eines] Großstädters“ kongenial entgegenkommen mußte, [...] Zumal der zwischen 1906 und 1910 sich durchsetzende

[Seite 355]

Übergang vom Kürzestfilm der Anfangsjahre zum Kurzfilm der Kinofrühzeit sowie dessen Erweiterung zum rund einstündigen Spielfilm der zehner Jahre haben sowohl die Aufnahme- und Projektionstechniken als auch die formalen Gestaltungsmöglichkeiten eines Films nachhaltig inspirieren können, der dann am Ende des Ersten Weltkriegs endgültig die für die kulturelle Gleichwertigkeit des neuen Mediums entscheidende Phase des abendfüllenden Langfilms erreichen konnte.54


54 Ich folge hier dem Gliederungsvorschlag von Corinna Müller, der als „Variationen des Kinoprogramms: Filmform und Filmindustrie“ den als Mediengeschichte des Films, Teil II geplanten Band Die Etablierung des Kinos (vorgesehen für 1996) einleiten wird. Vgl. schon vorher C. Müller: Frühe deutsche Kinematographie. Formale, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen 1907-1912. Stuttgart/Weimar 1994.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

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