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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 113, Zeilen: 1-29 (komplett), 101-107, 110-118
Quelle: Albes 1996
Seite(n): 105, 106, 107, 108, Zeilen: 105:29-32 - 106:1-2.12-21.101-104.108-111; 107:3-6.16-25.26-30.112; 108:2-9.101
Die Überseedienst GmbH konzentrierte sich fortan unabhängig von finanzieller Unterstützung durch das Reich auf Berichterstattung und Auslandspropaganda in Wirtschaftsangelegenheiten. Die Transocean GmbH verwandelte sich in eine [sic] reines Staatsunternehmen, das seine politische Propagandaarbeit nach Maßgabe des Auswärtigen Amtes arrangierte und dafür Zuschüsse in enormer Höhe erhielt.84 Sie war faktisch eine Zweigstelle des Auswärtigen Amtes. Hier wurden die Funkdienste in Absprache mit amtlichen militärischen und politischen Stellen redigiert. Der Umfang dieser Tätigkeit wuchs nach und nach gewaltig. 1916 wurden insgesamt 1,8 Millionen Wörter gesendet, 1917 waren es schon 2,1 Millionen und 1918 bereits 5 Millionen.85 Dreizehn verschiedene Spezialsendungen, an bestimmte Länder adressiert, gingen neben dem weltweit englischsprachigen Funkdienst im letzten Kriegsjahr über den Äther.86

Eine wichtige Rolle in der Propaganda der Transocean GmbH kam ihrem Bilderdienst zu. Man ließ der Presse der neutralen Länder Zehntausende von Fotos zukommen und veranlasste deren Aushang in den Schaufenstern großer Reisebureaus und in industriellen Unternehmen.87 Der Funkdienst zeigte jedoch zahlreiche Nachteile. Bei dem sehr langen Weg über etliche neutrale Länder kam es oft zu Verzögerungen, und bei bestimmten Wetterlagen konnten die Depeschen nur verstümmelt oder gar nicht empfangen werden. Technische Mängel und journalistischer Dilettantismus bewirkten, dass die Bedeutung der Transocean GmbH weitgehend auf ihre Funktion als amtliches deutsches Nachrichtenorgan reduziert wurde. Ihre Leistung lag schließlich nicht in der Übermittlung von Bildern, sondern allein in der Durchbrechung der nachrichtentechnischen Abschirmung Deutschlands.88

Matthias Erzbergers Berliner Propagandastelle hatte eine große Bedeutung in den katholischen Kreisen des neutralen Auslandes. Bereits 1911 hatte der Zentrumsabgeordnete einen „Fonds zur Verbreitung deutscher Nachrichten im Auslande“ vorgeschlagen und 1912/13 wiederholt im Reichstag ohne Erfolg die Schaffung eines zentralen Pressebureaus angeregt.89 Für seine Propagandaaktivi[täten während des Weltkrieges kamen ihm die Erfahrungen zugute, die er bei der Herausgabe der „Zentrumskorrespondenz“ und als Verfasser mehrerer Flugblätter gesammelt hatte.90]


84 Diese komplizierte Entwicklung ist ausführlich dargestellt bei Guratzsch: Hugenberg’sches Presseimperium, 1974, S. 232-240; Klee: Transocean GmbH, in: Telegraphenbüros und Nachrichtenagenturen, hrsg. von J. Wilke, 1991, S. 145-154.

85 Klee, ebd., S. 155-157; Schwedler: Nachricht im Weltverkehr, 1922, S. 80; Hertha Stohl: Der drahtlose Nachrichtendienst für Wirtschaft und Politik (Seine Entwicklung und Organisation in Deutschland), (Diss. phil.), Berlin 1931, S. 84.

86 Einzeln aufgeführt und erläutert bei Klee, ebd., S. 156. Vgl. auch Albes: Worte wie Waffen, 1996, S. 106.

87 Vgl. Albes, ebd., S. 107.

88 Vgl. Basse: Wolffs Telegraphisches Bureau, 1991, S. 175 f; Klee: Transocean GmbH, in: Telegraphenbüros und Nachrichtenagenturen, hrsg. von J. Wilke, 1991, S. 162-164. Erst zu einem überraschend späten Zeitpunkt fand die Transocean GmbH ihr Ende. Sie sendete bis 1943 ihre Auslandsdienste und bestand noch 1957 auf dem Papier. Sie war damit formal das einzige Nachrichtenbureau Deutschlands, das sich vom Kaiserreich bis in die frühen Jahre der Bundesrepublik gehalten hat.

89 Vgl. Bauer: Pressepolitik in der Weimarer Zeit, 1962, S. 48; Klaus Epstein: Matthias Erzberger und das Dilemma der deutschen Demokratie, Berlin, Frankfurt/M. 1962, S. 120; Erzberger: Erlebnisse, 1920, S. 3.

[90 Theodor Eschenburg: Matthias Erzberger. Der große Mann des Parlamentarismus und der Finanzreform, München 1973, S. 39.]

[Seite 105]

Während die Überseedienst GmbH sich fortan unabhängig von finanzieller Unterstützung durch das Reich auf Berichterstattung und Auslandspropaganda in bezug auf Wirtschaftsangelegenheiten konzentrierte, verwandelte sich die Transocean GmbH in ein reines Staatsunternehmen, das

[Seite 106]

seine politische Propagandaarbeit nach Maßgabe des Auswärtigen Amtes organisierte und dafür Reichszuschüsse in enormer Höhe bekam.101

[...]

Die 1916 entstandene Transocean GmbH war nicht nur in finanzieller, sondern auch in organisatorischer Hinsicht faktisch eine Zweigstelle des Auswärtigen Amtes - ihre Funkdienste wurden in dessen Räumen in Absprache mit amtlichen militärischen und politischen Stellen redigiert. Der Umfang dieser Tätigkeit wuchs nach und nach gewaltig an: 1916 sendete die Transocean GmbH insgesamt 1,8 Millionen, 1917 schon 2,1 Millionen Wörter. 1918 waren es dann bereits 5 Millionen Wörter - bisweilen 8.000 bis 9.000 pro Tag.103 Dreizehn verschiedene, an bestimmte einzelne Länder adressierte Spezialdienste gingen neben dem weltweit zu empfangenden englischsprachigen Funkdienst im letzten Kriegsjahr über den Äther.104

[Seite 107]

Eine wichtige Rolle in der Propaganda der Transocean GmbH spielte darüber hinaus ihr Bilderdienst: Sie ließ der Presse der neutralen Länder Zehntausende von Fotos zukommen und veranlaßte überdies deren Aushang „... in den Schaufenstern grosser Reisebüros, industrieller Unternehmungen usw“.107

[...]

Bei genauerem Hinsehen zeigen sich zahlreiche Nachteile des Funkdienstes der Transocean GmbH. So kam es teilweise aufgrund des sehr langen Weges über etliche neutrale Länder zu Verzögerungen. Bei bestimmten Wetterlagen konnten die Depeschen nur verstümmelt oder gar nicht empfangen werden. Schließlich fielen die Telegramme oft zu langatmig, plump und einseitig aus. Technische Mängel und journalistischer Dilettantismus sorgten mithin gleichermaßen dafür, daß die Bedeutung der Transocean GmbH weitgehend auf ihre Funktion als amtliches deutsches Nachrichtenorgan reduziert wurde. Ihre wesentliche Leistung lag somit in der Durchbrechung der nachrichtentechnischen Abschnürung Deutschlands.110 Die Aufnahme, Verteilung und Wirkung ihrer Depeschen in Spanien werden weiter unten dargestellt. Ihr Ende fand die Transocean GmbH zu einem verblüffend späten Zeitpunkt: Bis 1943 sendete sie ihre Auslandsdienste, bis 1957 bestand sie noch auf dem Papier. Formal gesehen war sie damit das einzige Nachrichtenbüro Deutschlands, das sich vom Kaiserreich bis in die frühen Jahre der Bundesrepublik hielt.111

[Seite 108]

Eine wichtige Rolle vor allem in katholischen Kreisen des neutralen Auslands spielte Matthias Erzbergers Propagandastelle in Berlin. Der Zentrumsabgeordnete hatte bereits 1911 einen „Fonds zur Verbreitung deutscher Nachrichten im Auslande“ vorgeschlagen und 1912/13 im Reichstag wiederholt - und ohne Erfolg — die Schaffung eines zentralen Pressebüros angeregt.112 Für seine Propagandaaktivitäten während des Weltkrieges kamen ihm dann die Erfahrungen zugute, die er bei der Fierausgabe der „Zentrumskorrespondenz“ und als Verfasser von mehreren Flugblättern gesammelt hatte.113


101 Diese komplizierte Entwicklung ist ausführlich dargestellt bei Guratzsch, S. 232-240; Klee, S. 145-154; IZF, I AK 67/1169, Die Transocean (TO). Ein kurzer Abriß über Entstehung und Werdegang der deutschen Auslandsnachrichten-Agentur. Aufgezeichnet von der Geschäftsleitung der Transocean G.m.b.H., Berlin 1950.

[...]

103 Klee, S. 155-157; Schwedler, Die Nachricht im Weltverkehr, S. 80; Hertha Stohl, Der drahtlose Nachrichtendienst für Wirtschaft und Politik (Seine Entwicklung und Organisation in Deutschland), phil. Diss., Berlin 1931, S. 84.

104 Einzeln aufgeführt: und erläutert bei Klee, S. 156.

[...]

107 1ZF, I AK 67/1169, Die Transocean (TO). Ein kurzer Abriß über Entstehung und Werdegang der deutschen Auslandsnachrichten-Agentur. Aufgezeichnet von der Geschäftsleitung der Transocean G.m.b.H., Berlin 1950, S. 11 (Zitat); Memorandum on the German System of Press Controll and Propaganda, S. 33.

[...]

110 Vgl. Basse, S. 175 f; Klee, S. 162-164.

111 Klee, S. 210 f.

112 Ernst Bauer, S. 48; Epstein, S. 120, auch Anm. 9; Erzberger, S. 3; Vogel, S. 34.

113 Theodor Eschenburg, Matthias Erzberger. Der große Mann des Parlamentarismus und der Finanzreform, München 1973, S. 39.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahmen bleiben ungekennzeichnet.

Bei der (größtenteils wörtlichen) Übernahme der Passagen von Seite 107 aus Albes wurde der Spanienbezug getilgt und ein Teil in eine neue Fußnote versetzt.

Ansonsten sind die Eingriffe in den vorhandenen Textkorpus in der Regel eher kosmetischer Natur.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

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