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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 138, Zeilen: 1-40 (komplett)
Quelle: Hiley 1994
Seite(n): 218-219, 220, Zeilen: 218: re.Sp. 44-50 - 219: li.Sp. 1-5.14-29.34-50; re.Sp. 5-8; 220: li.Sp. 2-11.15-31 - re.Sp. 1-29
[Diese Haltung erstreckte sich in der Folge auch auf] Dokumentarfilme, und als im September 1914 die Dreadnought Topical Company einen Dokumentarfilm über den Krieg herausbrachte, betonte sie in ihrer Annonce, dass der Film so geschnitten worden sei, dass alle „schrecklichen Bilder von Explosionen von Granaten, von toten Pferden und die unvermeidlichen traurigen Szenen des Krieges“ entfernt worden seien.204

Ab November 1914 ging jeder Ausgabe der Wochenschau folgende Erklärung voraus: „Die Abschnitte dieses Filmes, die von der nationalen Krise handeln, sind vom British Board of Film Censors genehmigt worden.“205 Die wichtigste Zensur war aber von den Filmemachern selbst eingeführt worden, die sorgfältig alle Szenen von Toten und Verwundeten ausklammerten. Im Februar 1915 waren die Kriegsszenen in den Wochenschauen so harmlos, dass die Besucher unverhohlene Geringschätzung zeigten. Als im März 1915 Gaumont in einem Film die dramatischen Bilder vom Tod französischer Soldaten in den Vogesen zeigte, wurde sofort im Londoner Weekly Dispatch Kritik laut. Der Film sei zur Vorführung ungeeignet, da er der Rekrutierung von Soldaten schaden würde und alle wüssten, was Krieg sei. Man forderte fröhliche Szenen, die die heitere und angenehme Seite des Krieges zeigten. Im August 1915 gestattete die Regierung der Filmindustrie, zwei offizielle Kameraleute für die Arbeit im Generalhauptquartier auszuwählen. Man wählte Edward George Tong von Jury‘s Imperial Pictures und Geoffrey Malins von Gaumont. Ihre ersten offiziellen Filme zeigten jedoch nichts weiter als Schützengräben, so dass die Zeitschrift Cinema News diese „Neuigkeiten vom Kriegsschauplatz“ als photographische Plattitüden bezeichnete. Der Kinematograph Weekly war sogar der Ansicht, man hätte diese genauso gut in England filmen können.

Der Forderung nach mehr Realismus durch die Filmindustrie stand jedoch die Tatsache entgegen, dass sich die Zahl der Kinobesucher mehr als verdoppelt hatte, nachdem die „Kriegsnachrichten“ von der Kinoleinwand verbannt worden waren. Ein großer Teil dieses Zuwachses war wahrscheinlich auf den Wohlstand der Arbeiter der Munitionsfabriken zurückzuführen. Im Februar 1916 wurde beobachtet, dass Kinos in der Nachbarschaft von Munitionsfabriken glänzende Geschäfte machten. Mehr Leute als je zuvor besuchten regelmäßig die Kinos. Im März 1916 schätzte die Cinema News, dass etwa 18 Millionen Karten pro Woche verkauft wurden, die meisten davon an „die untere Mittelschicht und an Industriearbeiter“. Im Juli vermutete die ,Picture Palace News‘, dass diese Zahl bereits auf 20 Millionen bei einer Zivilbevölkerung von nur 43 Millionen gestiegen sei. Das waren mehr als zwei Kinobesuche pro Haushalt in der Woche; sie erbrachten mit etwa 17 Millionen Pfund die gleiche Summe, die für Vorstellungen anderer Art, für Konzertbesuche und Sportveranstaltungen zusammen ausgegeben wurde. Es war überdeutlich geworden, dass mittlerweile das Kino die vorherrschende Form organisierter Unterhaltung darstellte.206


204 Vgl. ebd., S. 219.

205 Siehe z. B. Kinematograph Weekly, 10. September 1914, S. 55; Bioscope, 17. September 1914, S. 1092; Cinema News, 22. Oktober 1914, S. 19; 17. Dezember 1914, S. 9.

206 Vgl. Hiley: Der britische Film, in: Tage der Menschheit, hrsg. von R. Rolher, 1994, S. 220.

[Seite 218]

Diese Haltung erstreckte sich in der Folge auch auf Dokumentarfilme, und als im September 1914 die Dreadnought Topical Company einen Dokumentarfilm über den Krieg herausbrachte, war sie darauf bedacht, in ihrer Annonce zu betonen, daß der Film so geschnitten

[Seite 219]

worden sei, daß alle »schrecklichen Bilder von Explosionen von Granaten, von toten Pferden und die unvermeidlichen traurigen Szenen des Krieges« entfernt worden seien. [...] Ab November 1914 zeigte jede Ausgabe der Wochenschau folgende Erklärung: »Die Abschnitte dieses Filmes, die von der nationalen Krise handeln, sind vom British Board of Film Censors genehmigt worden.« Aber die wichtigste Zensur war von Filmemachern selbst eingeführt worden.9

Die sorgfältige Zensur aller Szenen von Toten und Verwundeten blieb bestehen. Toten und Verwundeten blieb bestehen. Im Februar 1915 waren die Kriegsszenen der britischen Wochenschauen so harmlos, daß die Kinobesucher den Satz »Vom British Board of Censors genehmigt« mit unverhohlener Geringschätzung aufnahmen. [...] Im März 1915 zeigte Gaumont zum Beispiel dramatische Bilder vom Tod französischer Truppen in den Vogesen als Teil eines Films, der von ihrem Kameramann Geoffrey Malins aufgenommen worden war. Doch wurden die Szenen sofort von einem Kritiker des Londoner >Weekly Dispatch< als »zur Vorführung ungeeignet« verurteilt. »Es stimmt zwar, daß sie eine Schilderung dessen sind, was der Krieg eigentlich ist«, schrieb er, »doch das wissen wir alle mittlerweile sicherlich schon, ohne von einigen Filmszenen daran erinnert werden zu müssen.« Sie schadeten der Rekrutierung von Soldaten, erklärte er und forderte statt dessen die britischen Kameramänner auf, marschierenden Männern zu zeigen, von Männern in den Schützengräben, von Männern in den Feldlagern, Bilder von Männern, die sich ihr Essen zubereiten, von Männern, die Pferde beschlagen - alles fröhliche Szenen, die eventuellen oder potentiellen Rekruten zeigen, daß der Krieg eine heitere und angenehme Seite hat [...]

[Seite 220]

Im August 1914, als die Regierung der Filmindustrie endlich gestattete, zwei offizielle Kameraleute für die Arbeit im Generalhauptquartier auszuwählen, wurde ihre Arbeit ebenfalls von der Furcht bestimmt, sie könne die Öffentlichkeit beunruhigen. Die Filmindustrie wählte Edward George Tong von Jury’s Imperial Pictures und Geoffrey Malins von Gaumont aus, [...] Die ersten offiziellen Filme zeigten weiter nichts als Schützengräben, und die Zeitschrift >Cinema News< beklagte sich, »es wäre ein flagranter Mißbrauch der Sprache, wollte man diese Serie photographischer Platitüden als »Neuigkeiten vom Kriegsschauplatz bezeichnen«. Der >Kinematograph Weekly< stimmte dem zu und bemerkte, »was hier vom tatsächlichen Krieg gezeigt wurde, hätte man genausogut in England filmen können«.11

Doch mit ihrer Forderung nach mehr Realismus stand die Filmindustrie einem Problem gegenüber, denn seit die »Kriegsnachrichten« von der Kinoleinwand verbannt worden waren, hatte sich die Zahl der Kinobesucher mehr als verdoppelt. Ein großer Teil dieses Zuwachses war wahrscheinlich auf den Kriegswohlstand der Arbeiter der Munitionsfabriken zurückzuführen, denn im Februar 1916 wurde beobachtet, daß »Kinos in der Nachbarschaft von Munitionsfabriken glänzende Geschäfte machen«. Was aber auch immer die Ursachen gewesen sein mögen, fest stand, daß mehr Leute die Kinos regelmäßig besuchten als je zuvor. Im März 1916 schätzte die >Cinema News<, daß die Kinobesitzer jetzt etwa 18 Millionen Karten pro Woche verkauften, die meisten davon an »die untere Mittelschicht und an Industriearbeiter«, aber schon im Juli vermutete die >Picture Palace News<, daß diese Zahl bereits auf 20 Millionen bei einer Zivilbevölkerung von nur 43 Millionen gestiegen sei. Das waren mehr als zwei Kinobesuche pro Haushalt in der Woche; sie kosteten mit etwa 17 Millionen Pfund die gleiche Summe, die für Vorstellungen anderer Art, für Konzertbesuche und Sportveranstaltungen zusammen ausgegeben wurde. Überdeutlich war geworden, daß das Kino mittlerweile die vorherrschende Form organisierter Unterhaltung darstellte.


9 Kinematograph Weekly, 10. September 1914, S. 55; Bioscope, 17. September 1914, S. 1092; Cinema News, 22. Oktober 1914, S. 19; 17. Dezember 1914, S. 9; National Film and Television Archive, London, Gaumont Graphic Serial 382, 19. November 1914; M. Seton, War. In: Sight and Sound, Winter, 1937-8, S. 184.

11 Kinematograph Weekly, 27. Mai 1915, »Northern Section«; 8. Juli 1915, S. 91; 6. Januar 1916, S. 3; Cinema News, 13. Januar 1916, S. 2.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahmen bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan), WiseWoman

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