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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 152, Zeilen: 1-4, 7-39
Quelle: Culbert 1994
Seite(n): 207, 208, Zeilen: 207: li.Sp. 29-39 - re.Sp. 1-39 - 208: li.Sp. 1-50 - re.Sp. 1-6
[Noch 1914 verwandten die Amerikaner den Begriff Propaganda zur Beschreibung der Praktiken der Katholi]schen Kirche, um im Ausland Konvertiten zu gewinnen. Ab 1919 war Propaganda ein Synonym für Lügen, die besonders die Regierung den eigenen Bürgern vorsetzte. Der englische Philosoph F. M. Cornford definierte 1922 Propaganda als „jener Zweig der Kunst zu lügen, der darin besteht, deine Freunde beinahe zu belügen, ohne dabei deine Feinde ganz zu belügen“.246

Trotzdem entwickelte sich die Notwendigkeit, offizielle Kriegspropaganda zu betreiben. Soweit sie allerdings schrill war, führte dies zu ziviler Ablehnung. Im August 1914 herrschte in Amerika das Gefühl einer Insellage, der Kanonendonner war furchtbar weit weg, und Europa lag weit hinter dem Ozean. James Agee schildert in seinem Prosawerk „Knoxville: Summer 1915“ die ruhige Atmosphäre einer Kleinstadt in Tennesee, zu der die Nachricht vom Krieg in Europa nur als Schlagzeile vordringt. Es gab Informationen über Orte, von denen man nie gehört hatte, sowie über Armeen unbekannter Länder. Diese Unwissenheit durch Insularität wurde ein Problem, als es darum ging, die Amerikaner zur Unterstützung demokratischer Kampagnen zu motivieren: „Making The World Safe For Democracy“. Im Jahre 1916 führte Präsident Woodrow Wilson einen mühsamen Kampf um seine Wiederwahl. Seine Wahlmanager überredeten ihn, die Parole „Er hat uns aus dem Krieg herausgehalten“ zu verwenden. Noch bis zum Herbst 1916 war die überwiegende Mehrheit, einschließlich der sogenannten „Bindestrich-Amerikaner“ der ersten Generation von Einwanderern aus Deutschland und Österreich-Ungarn, zwar für einen Sieg der Alliierten, aber nicht dafür, eine Armee nach Übersee zu schicken.247

Am 6. April 1917 erhielt Wilson die Zustimmung des Kongresses, Deutschland den Krieg zu erklären. Fast schon zum ersten Schritt gehörte die Schaffung eines staatlichen Propagandabüros, des Committee on Public Information (CPI), das den Amerikanern den Krieg schmackhaft machen sollte.248 Leiter des CPI war George Creel, ein junger Journalist aus Denver, Colorado, der zuvor für die Verabschiedung von Gesetzen zur Einschränkung der Kinderarbeit zu Felde gezogen war. Creel schuf einen Ausschuss, der auf alles Jagd machte, was innerhalb Amerikas deutsch war. Mit Wilsons voller Unterstützung galt es als politisch unkorrekt, an Schulen und Colleges Deutsch zu studieren. Carl Muck, der in Deutschland geborene Dirigent der Bostoner Sinfoniker, wurde zum Rücktritt gezwungen. Werke von Bach, Beethoven und Brahms wurden für amerikanische Orchester verboten. Selbst das Sauerkraut wurde in „Freiheitskohl“ umbenannt.

Das CPI übte seinen machtvollen Einfluss auch auf die Gestaltung offizieller Plakate aus, deren dramatische Wirkung während der Jahre 1917 und 1918 ihren Höhepunkt erreichte. In seinem verzweifelten Bemühen, allen Amerikanern den wahren Charakter des Feindes mitzuteilen, errichtete das CPI ein Beratungsbüro [mit 140.000 Sprechern, sogenannten „Vier-Minuten-Männern“249.]


246 Francis Macdonald Cornford zit. n. David Culbert: Der amerikanische Film und der Erste Weltkrieg, in: Tage der Menschheit, hrsg. von R. Rother, 1994, S. 207-214, hier S. 207.

247 Vgl. Culbert, ebd.

248 Ronald Schaffer: America in the Great War. The Rise of the War Welfare State, New York, Oxford, 1991, bes. S. 3-30; James Robert Mock/ Cedric Larson: Words that Won the War. The Story of the Committee on Public Information 1917-1919, Princeton 1939.

249 Ein werbewirksames Wortspiel, das die Erinnerung der Bürger an die patriotischen Milizen der amerikanischen Revolution - die sog. minutemen von Concord (Massachusetts) verband, die versprachen nicht länger als vier Minuten zu sprechen. Vgl. Alfred Emile Cornebise: War As Advertised: The Four Minute Men and America’s Crusade, 1917-1918, Philadelphia 1984.

[Seite 207]

1914 gebrauchten die Amerikaner den Begriff Propaganda, wenn sie ihn überhaupt verwendeten, zur Beschreibung dessen, was die römisch-katholische Kirche unternahm, um im Ausland Konvertiten zu gewinnen. Ab 1919 war das Wort Propaganda ein Synonym für Lügen, besonders für Lügen, die die Regierung ihren eigenen Bürgern auftischte. Viele Amerikaner hätten wahrscheinlich der zynischen Definition des englischen Philosophen F.M. Cornford zugestimmt, die er in einem kurzen Essay, der 1922 in überarbeiteter Fassung erschien, offerierte. Propaganda, schreibt Cornford, ist »jener Zweig der Kunst zu lügen, der darin besteht, deine Freunde beinahe zu belügen, ohne dabei deine Feinde ganz zu belügen.« Diese Definition entstand aus der zivilen Abscheu vor der Schrillheit offizieller Propaganda für die Heimatfront während des Krieges.1

Der Kanonendonner des August 1914 war für die meisten Amerikaner furchtbar weit weg, die, besonders wenn sie weit entfernt von der Ostküste lebten, das bemerkenswertes Gefühl einer Insellage empfanden, ein Gefühl, daß Europa nicht nur weit hinter dem Ozean lag, sondern daß die Ostküste selbst schon Tagereisen vom eigenen Leben entfernt war. Das kleine Prosameisterwerk von James Agee, >Knoxville: Summer 1915<, beschwört die ruhige Atmosphäre einer Kleinstadt in Tennessee herauf, zu der Nachrichten vom Krieg in Europa nur als eine Schlagzeile vordrangen - über Orte, von denen man nie gehört hatte, über Armeen von unbekannten Ländern. Es gab eine weit verbreitete Insularität, basierend auf tiefer Unwissenheit, und sie wurde zu einem besonderen Problem, als es darum ging, die Amerikaner für eine Unterstützung demokratischer Kampagnen zu motivieren: »Making the World Safe for Democracy«. Im Jahr 1916 stand Präsident Woodrow Wilson vor einem mühsamen Kampf um seine Wiederwahl. Die Schwierigkeiten gingen so weit, daß seine Wahlmanager ihn überredeten, die Parole »Er hat uns aus

[Seite 208]

dem Krieg herausgehalten« zu verwenden. Das zeigte an, daß noch bis zum Herbst 1916 eine Mehrheit der Amerikaner gegen die Entsendung einer Armee nach Europa war. Die überwiegende Mehrheit, einschließlich der »Bindestrich-Amerikaner« der ersten Generation von Einwanderern aus Deutschland und aus Österreich-Ungarn, waren zwar für einen Sieg der Alliierten, aber nicht dafür, eine Armee nach Übersee zu schicken.

Am 6. April 1917 erhielt Wilson die Zustimmung des Kongresses, Deutschland den Krieg zu erklären. Fast schon zum ersten Schritt gehörte die Schaffung eines staatlichen Propagandabüros, des Committee on Public Information oder CPI, das den Amerikanern den Krieg schmackhaft machen sollte. Leiter des CPI war George Creel, ein junger Journalist aus Denver, Colorado, ein Mann, der zuvor für die Verabschiedung von Gesetzen zur Einschränkung der Kinderarbeit zu Felde gezogen war und für seine neue Stelle den gleichen messianischen Eifer mitbrachte.2

Creel schuf einen Ausschuß, der auf alles, was innerhalb Amerikas deutsch war, Jagd machte, und sorgte mit Wilsons voller Unterstützung dafür, daß es als politisch unkorrekt angesehen wurde, an Schulen und Colleges Deutsch zu studieren; Carl Muck, der in Deutschland geborene Dirigent der Bostoner Sinfoniker, wurde zum Rücktritt gezwungen; die Werke von Bach, Beethoven und Brahms waren für amerikanische Orchester verboten; Sauerkraut wurde auf unbestimmte Zeit in »Freiheitskohl« umbenannt.

Das CPI übte einen machtvollen Einfluß auf die Gestaltung offizieller Plakate aus, deren dramatische Wirkung während der Jahre 1917 und 1918 ihren Höhepunkt erreichte. Das CPI, in seinem verzweifelten Bemühen, allen Amerikanern den wahren Charakter des Feindes mitzuteilen, errichtete ein Beratungsbüro mit 140000 Sprechern, sogenannten »Vier-Minuten-Männern« (ein werbewirksames Wortspiel eines Werbefachmannes, das die Erinnerung der Bürger an die patriotischen Milizen der amerikanischen Revolution - die sogenannten minutemen von Concord, Massachusetts, mit dem beruhigenden Versprechen verband, daß diese Männer nicht länger als vier Minuten sprechen würden).3


3 Mock/Larson 1939.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet. Das Zitat wurde nicht in der Zeilenzählung berücksichtigt. Inhaltlich allerdings stimmen die beiden Passagen überein.

Die Quelle wird nur in den Fußnoten 246 und 247 erwähnt, danach erst wieder auf Seite 154.

Sichter
(Graf Isolan), Hindemith

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