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Uo/Fragment 170 14

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 170, Zeilen: 14-17-(18-25)-26-36
Quelle: Virilio 1989
Seite(n): 35-36, Zeilen: 35:25-30; 36:01-23
Die Filmemacher, die den Krieg überlebten, wendeten sich zunächst noch der Produktion von Wochenschauen und Propagandafilmen zu. Darauf folgte der sogenannte „Kunstfilm“. Dziga Vertov, der 1918 zu Lenins erstem Propagandazug gehörte, proklamierte das „bewaffnete Auge des Filmers“:

„Ich bin das Kinoauge. Ich bin ein mechanisches Auge. Ich, die Maschine, zeige euch die Welt so, wie nur ich sie sehen kann. Von heute an und in alle Zukunft befreie ich mich von der menschlichen Unbeweglichkeit. Ich bin in ununterbrochener Bewegung, ich nähere mich Gegenständen und entferne mich von ihnen, ich krieche unter sie, ich klettere auf sie, ich bewege mich neben dem Maul eines galoppierenden Pferdes, ich rase in voller Fahrt in die Menge, ich renne vor angreifenden Soldaten her, ich werfe mich auf den Rücken, ich erhebe mich zusammen mit Flugzeugen, ich steige und falle zusammen mit fallenden und aufsteigenden Körpern.“30

Die Filmemacher waren ja nicht nur zu Kriegern geworden, sie zählten sich auch, wie die Flieger, zu einer Art technischer Elite. Der Krieg hatte ihnen die militärische Technologie in Aktion als höchstes Privileg der Kunst dargestellt. In der Avantgardeproduktion der unmittelbaren Nachkriegszeit sorgte der technologische Fortschritt für Überraschungen im Filmgeschäft. Während Kriegsaktualitäten und chronophotographische Flugdokumente in Archiven, Geheimtresors der Militärarchive und in Privatsammlungen verschwanden, boten die Filmemacher nun dem breiten Publikum technologische Effekte als neuartiges Schauspiel an. Die durch den Krieg ausgelöste Zerstörung der Form setzte sich fort.31

„Das Schlachtfeld war von Anfang an ein Wahrnehmungsfeld, und das Kriegsgerät für Heerführer und Waffenträger ein Darstellungsmittel, so wie später der Flieger, wenn er seine Waffe betätigte, automatisch die Aufnahme mit der damit gekoppelten Kamera [auslöste.]


30 Deutsch in Dziga Vertov: Schriften zum Film, München 1973. 1919 veröffentlichte Vertov in Lef, der von Majakovskij herausgegebenen Avantgarde-Zeitschrift, einen Artikel gegen den Erzählfilm, der - unter Verwendung futuristischen Vokabulars - den bürgerlichen Drehbüchern und ihrer Psychologie den Krieg erklärt.

31 Vgl. Paul Virilio: Krieg und Kino. Logistik der Wahrnehmung, Frankfurt/M. 1989, S. 36.

[Seite 35]

Die Filmer, die den Krieg überlebten, gingen vom Kampf auf dem Schlachtfeld unmittelbar zur Produktion von Wochenschauen und Propagandafilmen und weiter von >>Kunstfilmen<< über. Dziga Vertov, der 1918 zum Personal von Lenins erstem Propagandazug gehörte, proklamierte das >>bewaffnete Auge des Filmers<<: >>Ich bin das Kinoauge. Ich bin ein mechanisches Auge. Ich, die Maschine, zeige euch die Welt so, wie nur ich sie sehen kann. Von heute an und in alle Zukunft befreie ich mich von der menschlichen Unbeweglichkeit. Ich bin in ununterbrochener

[Seite 36]

Bewegung, ich nähere mich Gegenständen und entferne mich von ihnen, ich krieche unter sie, ich klettere auf sie, ich bewege mich neben dem Maul eines galoppierenden Pferdes, ich rase in voller Fahrt in die Menge, ich renne vor angreifenden Soldaten her, ich werfe mich auf den Rücken, ich erhebe mich zusammen mit Flugzeugen, ich steige und falle zusammen mit fallenden und aufsteigenden Körpern.«9 Diese Filmer, die das Bild »aus der Bahn werfen« wie die Surrealisten die Sprache, hatte ihrerseits der Krieg aus der Bahn geworfen. Auf dem Schlachtfeld waren sie nicht nur zu Kriegern geworden; sie rechneten sich, wie die Flieger, zu einer Art technischen Elite. Der Krieg hatte ihnen die militärische Technologie in Aktion als höchstes Privileg der Kunst dargestellt. Die technologische Überraschung löste in der Avantgardeproduktion der unmittelbaren Nachkriegszeit eine sagenhafte Fusion/Konfusion aus. Während Kriegsaktualitäten und chronophotographische Flugdokumente in den Archiven verschwanden, in den Geheimtresors der Militärarchive oder in Privatsammlungen von Kriegserinnerungen, boten die Filmer dem großen Publikum diese technologischen Effekte als neuartiges Schauspiel dar und setzten so den Krieg und die von ihm ausgelöste Formenzerstörung fort.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet. Das Vertov-Zitat findet sich auch bei Virilio, wird aber, da als Zitat ausgewiesen, nicht in die Zählung aufgenommen. Die tatsächlich als Virilio-Zitat gekennzeichnete Passage zum Abschluss der Seite enthält ungekennzeichnete Auslassungen.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

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