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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 266, Zeilen: 13-31, 104-111
Quelle: Ulrich 1993
Seite(n): 115, 117, Zeilen: 115:21-23.25-26.30-32; 117:1-8.22-23.25-27.29-30
Die Verwerfungen der Landschaften erscheinen wie das Abbild der körperlichen und seelischen Verletzungen der Menschen. In Deutschland vergingen Jahre, bis die Angehörigen der Vermissten über deren Schicksal Gewissheit erlangten. Noch 15 Jahre nach Kriegsende blieb völlig ungewiss, was mit ca. 100.000 Soldaten geschehen war, die zu diesem Zeitpunkt noch als vermisst galten.44 Der Vermisste konnte z.B. durch Verletzung sein Gedächtnis verloren haben, den eigenen Namen nicht mehr wissen, oder er vegetierte geistig verwirrt in einer der vielen Anstalten dahin. Die Diagnose hieß dann „Granatschock“ oder abfälliger „Kriegszitterer“. Oder er gehörte zu jenen „Kriegszermalmten“, jenen „Menschen ohne Gesicht“, die in einem der geheimnisumwitterten Lazarette lebten, verborgen im Schwarzwald oder mitten in der Großstadt Berlin. Erich Kuttner, 1887-1942, Begründer der Kriegshinterbliebenenfürsorge und engagierter sozialdemokratischer Redakteur und Abgeordneter, hat hierüber detaillierte und erschütternde Berichte hinterlassen.45 Viele der Kriegsopfer trauten sich aus Angst vor der Reaktion ihrer Angehörigen nicht nach Hause. Fotographien von sich selbst durften sie nicht besitzen, Gipsabdrücke ihrer zerstörten Gesichter wurden der Öffentlichkeit nie zugänglich gemacht.

„Um die Kriegszermalmten“, so Kuttner, „macht der patentierte Patriotismus einen weiten Bogen. Er zuerst hat sie vergessen, denn sie stören ihn“.46


44 Vgl. Bernd Ulrich: „ ... als wenn nichts geschehen wäre“. Anmerkungen zur Behandlung der Kriegsopfer während des Ersten Weltkriegs, in: Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch... Erlebnis und Wirkung des Ersten Weltkrieges, hrsg. von G. Hirschfeld, G. Krumeich, I. Renz, Essen 1993, S. 115-130, hier S. 115; Robert W. Whalen: Bitter wounds. German victims of the Great War, 1914-1939, Ithaca, London 1984; Martin Geyer: Ein Vorbote des Wohlfahrtsstaates. Die Kriegsopfer-versorgung [sic] in Frankreich, Deutschland und Großbritannien nach dem Ersten Weltkrieg, in: Geschichte und Gesellschaft, 9. Jg. (1983), H. 2, S. 230-277.

45 Bart de Cort: Was ich will, soll Tat werden. Erich Kuttner 1887-1942. Ein Leben für Freiheit und Recht, Berlin 1990.

46 Erich Kuttner: Vergessen! Die Kriegszermalmten in Berliner Lazaretten, in: Vorwärts, 8.9.1920, zit. n. Ulrich: Behandlung der Kriegsopfer, in: Keiner fühlt sich, hrsg. von G. Hirschfeld, G. Krumeich, I. Renz, 1993, S. 114.

[Seite 115]

Der Krieg ist nicht zu Ende; die Landschaften der ehemaligen Westfront: ihre Verwerfungen erscheinen wie das äußere Abbild innerer wie äußerer menschlicher Verletzungen, die nicht vernarben können.

[...] Jahre konnten vergehen, bis die Angehörigen der Vermißten Gewißheit hatten. [...] In Deutschland blieb noch 15 Jahre nach Kriegsende völlig ungewiß, was mit ca. 100 000 Soldaten geschehen war, die zu diesem Zeitpunkt nach wie vor als vermißt galten.1 [...] Oder hatte er durch eine Verletzung das Gedächtnis verloren, konnte sich an nichts mehr erinnern, auch nicht an den eigenen

[Seite 117]

Namen? Vegetierte er in einer der vielen Anstalten, geistig verwirrt? Diagnose: Granatschock, abfällig Kriegszitterer genannt. Oder gehörte er womöglich zu jenen „Kriegszermalmten", jenen „Menschen ohne Gesicht", die in einem der geheimnisumwitterten Lazarette lebten, verborgen im Schwarzwald oder mitten in der Großstadt Berlin?

Erich Kuttner, Begründer der Kriegshinterbliebenenfürsorge, engagierter sozialdemokratischer Redakteur und Abgeordneter, hat uns einen Bericht hinterlassen, [...]

[...]

Viele dieser Kriegsopfer trauen sich nicht nach Hause, aus Angst vor der Reaktion ihrer Angehörigen, die sie sich nicht anders als entsetzt vorstellen können. [...] Fotografien von sich selbst dürfen sie nicht besitzen. Gipsabdrücke, die von ihren zerstörten Gesichtern gemacht wurden, sind in stille, unerreichbare Winkel des Krankenhauses verbannt. [...] „Um die Kriegszermalmten", so Kuttner, „macht der patentierte Patriotismus einen weiten Bogen. Er zuerst hat sie vergessen, denn sie stören ihn."4


1 Vgl.: B. Z. Urlanis, Bilanz der Kriege. Die Menschenverluste Europas vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Berlin (Ost) 1965, S. 146; vgl.: Kriegerwitwen gestalten ihr Schicksal. Lebenskämpfe deutscher Kriegerwitwen nach eigenen Darstellungen, hrsg. von H. Hurwitz-Stranz, Berlin 1931. Der Band bringt Beispiele vieler Einzelschicksale, s. z. B. S. 65ff. Zur Situation der Kriegerwitwen s. auch: S. C. Sachße, Mütterlichkeit als Beruf. Sozialarbeit, Sozialreform und Frauenbewegung 1871-1929, Frankfurt a. M. 1986, S. 198ff. Generell: R. W. Whalen, Bitter wounds. German victims of the Great War, 1914-1939, Ithaca, London 1984; M. Geyer, Ein Vorbote des Wohlfahrtsstaates. Die Kriegsopferversorgung in Frankreich, Deutschland und Großbritannien nach dem Ersten Weltkrieg, in: Geschichte und Gesellschaft, 9 (1983), Heft 2, S. 230-277.

3 E. Kurtner, Vergessen! Die Kriegszermalmten in Berliner Lazaretten, in: Vorwärts, 8.9. 1920; zu Erich Kuttner vgl. B. de Cort, „Was ich will, soll Tat werden". Erich Kuttner 1887-1942. Ein Leben (für Freiheit und Recht, Berlin 1990.

4 Kuttner, Vergessen!

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan), Klicken (Kategorie) Schumann

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