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Uo/Fragment 272 01

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 272, Zeilen: 1-16, 22-27, 103-104
Quelle: Ulrich 1993
Seite(n): 124, 125, 126, Zeilen: 124:43;125:1ff.; 126:1ff.
Es blieb jedoch ungewiss, ob nicht doch in den „Massenlazaretten leicht eine psychische Ansteckung mit dem Unzufriedenheitsbazillus stattfindet, indem einzelne Hetzer die ganze Gesellschaft verderben.“69 Fern der öffentlichen Rede gab es eine Beschäftigung mit dem Thema Kriegsopfer, angesiedelt in der Grauzone des Gerüchts. Mit den ersten Heimaturlaubern seit Beginn des Krieges fanden Berichte vor allem bei der Landbevölkerung begierig Aufnahme, die von tot oder vermisst geglaubten Soldaten erzählten, die man noch schwerverletzt auf dem Schlachtfeld gesehen haben wollte und die nun in Geheimlazaretten vor sich hin vegetierten oder langsam vergiftet wurden, um sie „von ihrem Leiden zu erlösen“. Die Beobachtung des französischen Historikers Marc Bloch - er diente vom August 1914 bis Januar 1915 an der Westfront dass von Soldaten alles geglaubt wird, was nicht gedruckt oder amtlich verlautbart vorliegt, bestätigt ihre Evidenz auch im Hinblick auf die damalige Zivilbevölkerung. Gerüchte waren das Ventil für die Zwänge und Verletzungen, denen die Soldaten und ihre Angehörigen unterworfen waren.70 Mit Beginn des Jahres 1917 war dem bayerischen Kriegsministerium bekannt geworden,

„daß derartige Gerüchte, wonach Mannschaften, die als gefallen oder vermißt gemeldet sind, angeblich in Geheimlazaretten verborgen gehalten würden, seit einiger Zeit auch anderwärts, vor allem in Südbayern in Umlauf sind. Sie stammen zweifellos aus unsauberer Quelle, sind jedoch geeignet auf die Dauer die Stimmung der Bevölkerung nachhaltig zu beeinflussen.“71

In Einzelfällen wurde den Gerüchten polizeilich nachgegangen, um sie als „böswillige Erfindung einwandfrei nachzuweisen“, die Verbreiter wurden als „nervenleidend“ oder „wichtigtuerisch“ denunziert.72 Die Verstümmelten selbst, deren Existenz unbezweifelbar war, wurden in diesem Zusammenhang gar nicht mehr erwähnt. Die Zerstörung ihrer Körper und Seelen blieb jedoch weiterhin Gegenstand von Berichten und Nachfragen der Angehörigen.


69 Horion: Die Rentenfurcht der Kriegsbeschädigten, S. 167. Zit. n. Ulrich: Behandlung der Kriegsopfer, in: Keiner fühlt sich, hrsg. von G. Hirschfeld, G. Krumeich, I. Renz, 1993, S. 125.

70 Vgl. Marc Bloch: Apologie der Geschichte oder Der Beruf des Historikers, München 1985, S. 83f.

71 Schreiben des Kriegsministeriums vom 20.7.1917 (Bayerisches Hauptstaatsarchiv-Kriegsarchiv, München, MKr/ Akten Kriegsministerium, Nr. 13815), zit. n. Ulrich: Behandlung der Kriegsopfer, in: Keiner fühlt sich, hrsg. von G. Hirschfeld, G. Krumeich, I. Renz, 1993, S. 126.

72 Vgl. ebd.

[Seite 124]

Zwar herrschte dort im

[Seite 125]

allgemeinen ein militärischer Umgangston, der die Beeinflussung erleichterte, doch blieb ungewiß, ob nicht doch, namentlich in den „Massenlazaretten leicht eine psychische Ansteckung mit dem Unzufriedenheitsbazillus stattfindet, indem einzelne Hetzer die ganze Gesellschaft verderben."32

Abseits der öffentlichen Rede über die Kriegsopfer entwickelte sich freilich auch eine nicht institutionalisierte, in der changierenden Grauzone des Gerüchts angesiedelte Beschäftigung mit dem Thema. Seit Beginn des Krieges, mit den ersten Heimaturlaubern von den Fronten, fanden vor allem in der Landbevölkerung solche Berichte begierige Aufnahme, die von tot oder vermißt geglaubten Soldaten erzählten, die man schwerstverletzt noch auf dem Schlachtfeld gesehen haben wollte und die man nun, angesichts ihrer Verstümmelungen, in einem Geheimlazarett wähnte, wo sie vor sich hin vegetierten oder gar langsam vergiftet wurden, um sie „von ihrem Leiden zu erlösen". Die Beobachtung des französischen Historikers Marc Bloch — er diente zwischen August 1914 und Januar 1915 an der Westfront —, daß von den Soldaten alles geglaubt wurde, was nicht gedruckt oder amtlich verlautbart vorlag, bestätigte ihre Evidenz auch im Hinblick auf die Zivilbevölkerung. Der Zwang und die Verletzungen, die Soldaten wie Angehörigen angetan wurden, fanden ein Ventil in Gerüchten.33 Deren Existenz und Wirkung die Schwerstverletzten betreffend ist überliefert,

[Seite 126]

weil sie vor allem mit Beginn des Jahres 1917 aktenkundig wurden. Dem bayerischen Kriegsministerium beispielsweise war bekannt geworden, „daß derartige Gerüchte, wonach Mannschaften, die als gefallen oder vermißt gemeldet sind, angeblich in 'Geheimlazaretten' verborgen gehalten würden, seit einiger Zeit auch anderwärts, vor allem in Südbayern in Umlauf sind. Sie stammen zweifellos aus unsauberer Quelle, sind jedoch geeignet auf die Dauer die Stimmung der Bevölkerung nachhaltig zu beeinflussen."34 In Einzelfällen wurde den Gerüchten polizeilich nachgegangen, um sie als „böswillige Erfindung einwandfrei nachzuweisen". Jene, die als Verbreiter von solchen Berichten überrührt werden konnten, denunzierte man als „nervenleidend" oder wichtigtuerisch. Die Verstümmelten selbst, deren Existenz unbezweifelbar war, wurden in diesem Zusammenhang gar nicht mehr erwähnt. Die Zerstörung ihrer Körper und Seelen aber blieb weiterhin Gegenstand der Berichte und Eingaben von Angehörigen.


32 Horion, Die Rentenfurcht der Kriegsbeschädigten, S. 167. Eine Befürchtung übrigens, die zunächst auch die Konzentrierung Kriegsbeschädigter in speziellen Siedlungen oder auf kleinen Landparzellen verhinderte, „weil nach kurzer Zeit der Einfluß der schlechten Elemente alle übrigen dazu bringt, nicht mehr zu arbeiten". Biesalski, Praktische Vorschläge. Diese Einschätzung änderte sich gegen Kriegsende, vgl.: H. Würtz, Fragen zur Ansiedlung Kriegsbeschädigter, in: ZfK, 9 (1916/17), S. 193-196 und weitere Beiträge in der ZfK.

33 Vgl.: M. Bloch, Apologie der Geschichte oder Der Beruf des Historikers, München 1985, S. 83ff; U. Daniel, Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft. Beruf, Familie und Politik im Ersten Weltkrieg, Göttingen 1989, S. 241-249; so generell wie anregend zum Gerücht in der Geschichte: U. Raulff, Clio in den Dünsten. Über Geschichte und Gerüchte, in: Merkur, 44 (1990), Heft 6, S. 461fF. [sic] Zur zeitgenössischen Beschäftigung mit dem Thema vgl. u. a.: E. Stransky, Zur Psychologie der Legendenbildung im Felde, in: Die Umschau, 20 (1916), Bd. 2, S. 961-965.

34 Schreiben des Kriegsministeriums vom 20.7.1917 (Bayerisches Hauptstaatsarchiv- Kriegsarchiv, München, MKr/Akten Kriegsministerium, Nr. 13815).

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahmen bleiben ungekennzeichnet.

Zitat wurde nicht mitgezählt.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

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