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Uo/Fragment 324 02

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 324, Zeilen: 2-4, 7-34, 104-108
Quelle: Vorsteher 1994
Seite(n): 151, 153, 155, 156, Zeilen: 151: li.Sp. 7-18, 25-34; 153: li.Sp.19-40, 44-50, re.Sp. 3-16; 155: re.Sp. 10-15 - 156: li.Sp. 1
Weder bei der Heeresleitung und den Auftraggebern, noch bei den Käufern der Feindbildpropaganda wurde die brisante Frage nach Moral und Effektivität gestellt. [...]

Die alliierte Propaganda hatte es verstanden, Deutschland publizistisch als Angreifer international zu ächten. Spätestens seit 1916 zahlte es sich bitter aus, dass Deutschland 1914 nur mit einer militärischen Strategie und nicht mit einer tragfähigen, gesellschaftlich akzeptierten Botschaft zum Krieg gedrängt hatte. Es mag auch sein, dass die Reichsregierung im Sommer 1914 einen anderen Krieg gewollt hatte, als ihn die Militärs dann schließlich führen mussten.134 Die alliierte Feindbildikonographie hatte es wesentlich leichter als die deutsche. Sie knüpfte an Bewährtes an: die Befreiung der Welt von feudaler Unterdrückung und deutschem Militarismus. Dafür ließen sich viele demokratische und neutrale Staaten gewinnen. Das deutsche Reich stand nun mal seit 1870/71 für den bedrohlichen Staatsmilitarismus. Seit der Flottenrüstung der neunziger Jahre war es sogar Wilhelm II. in Person. Als die ersten antideutschen Plakate erschienen, bemühte sich Deutschland, mit einer motivreichen Plakatserie dem Vorwurf des Militarismus, der deutschen Unkultur und mangelnder Bildung zu begegnen. Durch einen illustrativen internationalen Systemvergleich und durch aufklärende Statistiken versuchte man alles „richtig zu stellen“. Didaktische Schautafeln in Verbindung mit einer aus der Statistik bekannten Bildersprache der Industriewerbung sollten das deutsche Publikum von seiner kulturellen und industriellen Überlegenheit überzeugen. In verbildlichter Form fand sich alles in Lehrfilmen wieder. Die „Feinde“ sind hier eher schwächlich als bedrohlich, weder Monster noch Ungeheuer, sondern Karikaturen, die sich im gesellschaftsfähigen Rahmen bewegen. Zum Teil waren diese didaktischen Bildchen für den Export bestimmt.135 Die Reichsleitung wollte in väterlicher Absicht das eigene Volk in erster Linie von seinen Vorteilen überzeugen, um die feindliche Propaganda zu neutralisieren. Nur waren die Gräuelplakate der Entente über „die Deutschen“ nicht für ein deutsches Publikum, sondern für die eigene Bevölkerung bestimmt. Es ist fraglich, ob sie die deutsche Zivilbevölkerung während des Krieges je zu Gesicht bekam.


134 Das Militär hatte als einziges militärisches Konzept lediglich den Schlieffenplan von 1895 erst Aufmarsch im Westen danach im Osten weiter ausgearbeitet. Auf dieses „Pflichtversäumnis“ der Militärs weist Sebastian Haffner hin und nennt es zu Recht „das Verbrechen des deutschen Generalstabes“. Vgl. S. Haffner: Von Bismarck zu Hitler. Ein Rückblick, München 1987, S. 120.

135 Vgl. Vorsteher: Bilder für den Sieg, in: letzten Tage der Menschheit, hrsg. von R. Rother, 1994, S. 153.

[Seite 151]

Die alliierte Propaganda hatte es verstanden, Deutschland publizistisch als den Angreifer international zu ächten. Spätestens seit 1916 zahlte es sich bitter aus, daß Deutschland 1914 nur mit einer militärischen Strategie und nicht mit einer tragfähigen, gesellschaftlich akzeptierten Botschaft zum Krieg gedrängt hatte. Es mag auch sein, daß die Reichsregierung im Sommer 1914 einen anderen Krieg gewollt hatte, als ihn die Militärs dann schließlich führen mußten. [...] Auf diese Kehrtwende war das Militär nicht vorbereitet gewesen. Es hatte als einziges militärisches Konzept lediglich den Schlieffenplan von 1895 - erst Aufmarsch im Westen danach im Osten - weiter ausgearbeitet. Auf dieses »Pflichtversäumnis« der Militärs weist Sebastian Haffner hin und nennt es zu Recht »das Verbrechen des deutschen Generalstabes«8.

[Seite 153]

Die alliierte Feindbildikonographie hatte es auch leichter als die Deutschlands. Sie konnte an Bewährtes anknüpfen: die Befreiung der Welt von feudaler Unterdrückung und deutschem Militarismus. Dafür ließen sich viele demokratische und neutrale Staaten gewinnen. Für den bedrohlichen Staatsmilitarismus stand nun mal seit 1870/71 Preußen, seit der Flottenrüstung der neunziger Jahre war es Wilhelm II. in Person. Als die ersten antideutschen Plakate erschienen, bemühte sich Deutschland, mit einer motivreichen Plakatserie dem Vorwurf des Militarismus, der deutschen Unkultur und mangelnder Bildung zu begegnen. Es tat dies durch einen illustrativen internationalen Systemvergleich, der durch aufklärende Statistiken >richtigstellen< wollte. Diese didaktischen Schautafeln sollten das deutsche Publikum von seiner kulturellen und industriellen Überlegenheit überzeugen. [...] Die »Feinde« sind hier eher schwächlich als bedrohlich, weder Monster noch Ungeheuer, sondern Karikaturen, die sich im gesellschaftsfähigen Rahmen bewegen. Zum Teil scheinen diese didaktischen Bildchen für den Export bestimmt gewesen zu sein. [...] Die aber sonst überwiegend in Deutsch erscheinende Serie legt den Verdacht nahe, die Reichsleitung wollte hier in erster Linie das eigene Volk von seinen Vorteilen überzeugen. Möglicherweise in der väterlichen Absicht, die feindliche Propaganda zu neutralisieren. Nur - die Greuelplakate der Entente über »die Deutschen« waren ja nicht für ein deutsches Publikum gedacht, sondern in erster Linie für die eigene Bevölkerung bestimmt. Ob die deutsche Zivilbevölkerung sie während des Krieges überhaupt je gesehen hat, ist fraglich.

[Seite 155]

Mehr scheint man von ihnen auch nicht erwartet zu haben, weder bei der Heeresleitung noch bei den Auftraggebern, noch bei ihren Käufern. Die brisanten Fragen nach Moral und Effektivität der Feindbildpropaganda wurden

[Seite 156]

nicht gestellt.


8 Haffner 1987, S. 120.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan) Agrippina1

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