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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 342, Zeilen: 19-38
Quelle: Kaulbach 1987
Seite(n): 12, 13, 55, Zeilen: 12:23-42; 13:6-7; 55:6-8.10-17
Eine auf Striche reduzierte Zeichnung kann beim Betrachter eine Reaktion auf das Dargestellte auslösen, die der Reaktion auf die Wirklichkeit entspricht. Gesichtsausdruck, Bewegungen, Größenverhältnisse oder Gegensätze gehören zu den allgemeinverständlichen Formen. Werden sie gezeichnet wiedergeben, reagieren wir ebenso intuitiv und unmittelbar wie auf den Ausdruck von Lebewesen in unserer Umwelt. Jede riesige dunkle Gestalt ist selbstverständlich schreckenerregend und „böse“.175 Auch in ihren Motiven, Themen, Inhalten arbeitet die Karikatur mit Verkürzungen und Verdichtungen: Begriffe werden personifiziert, komplexe Ereignisse und Vorgänge in alltägliche Szenen übersetzt, unbekannte und bedrohliche Erscheinungen in vertraute Situationen gekleidet. Die Karikatur nutzt sprachliche Metaphern, Redensarten, bekannte Phrasen. Sie setzt Bestandteile der Realität untereinander oder mit Elementen ihrer eigenen Motivtradition in neue Metaphern oder in bekannte Bildmuster und Vorstellungskonventionen um.176 Als Bildmotive gehören Bombe und Kanone politisch und psychologisch zusammen. Zu den häufigsten Problemdarstellungen in der Kriegskarikatur gehören Menschen und Waffen, die von der sichtbaren Wirklichkeit abweichen. Menschliche Eigenschaften werden auf die Waffen verlagert, die Mechanisierung des menschlichen Körpers wird bis zur Identifikation mit den Kriegsmaschinen angeglichen und mit den Merkmalen lebender Wesen ausgestattet bis hin zu ihrer Verselbständigung.177

175 Vgl. Ernst H. Gombrich/ Julian Hochberg/ M. Black: Kunst, Wahrnehmung, Wirklichkeit, Frankfurt/M. 1977, S. 106 ff.

176 Vgl. Kaulbach: Bombe und Kanone, 1987, S. 12.

177 Vgl. ebd., S. 55.

[Seite 12]

In der Bildform geschieht dies durch konventionelle, „natürliche Metaphern": selbst eine auf Striche reduzierte Zeichnung kann bei den Betrachtern eine Reaktion auf das Dargestellte auslösen, die der Reaktion auf die Wirklichkeit entspricht. Gesichtsausdruck, Bewegungen, Größenverhältnisse oder Gegensätze gehören zu den allgemeinverständlichsten Erscheinungen. Auf Formen, die sie gezeichnet wiedergeben, reagieren wir „ebenso intuitiv und unmittelbar wie auf den Ausdruck von Lebewesen in unserer Umwelt. Jede riesige dunkle Gestalt ist selbstverständlich schreckenerregend und 'böse'".12

Auch in ihren Motiven, Themen, Inhalten arbeitet die Karikatur mit Verkürzungen und Verdichtungen: Begriffe werden personifiziert, komplexe Ereignisse und Vorgänge in alltägliche Szenen übersetzt, unbekannte und bedrohliche Erscheinungen in vertraute Situationen gekleidet. Einzelne Bildbestandteile entsprechen nicht der sichtbaren Wirklichkeit, doch ihre Zusammensetzung kann als Realität nach eigenen Gesetzen zur verständlichen Deutung der Wirklichkeit dienen. Die Karikatur nutzt sprachliche Metaphern, Redensarten, bekannte Phrasen, setzt Bestandteile der Realität untereinander oder mit Elementen ihrer eigenen Motivtradition in neue Metaphern oder in bekannte Bildmuster und Vorstellungskonventionen um.13

[Seite 13]

Als Bildmotive sind Bombe und Kanone politisch und psychologisch motiviert.

[Seite 55]

Zusammenstellungen von Menschen und Waffen, die von der sichtbaren Wirklichkeit abweichen, gehören zu den häufigsten Problemverdichtungen in der Kriegs- und Rüstungskarikatur. [...] Menschliche Eigenschaften werden vielmehr auf die Waffen verlagert. Dies geschieht

- einerseits durch die Angleichung der Menschendarstellung an die Waffen, die Mechanisierung des menschlichen Körpers bis zur Identifikationmit Kriegsmaschinen;

- und andererseits durch die Angleichung der Waffen an den Menschen, ihre Ausstattung mit den Merkmalen lebender Wesen bis hin zu ihrer Verselbständigung.


12 Gombrich, Arsenal, S. 242. Das ist das von Gombrich so genannte und mehrfach beschriebene „Toepffer'sche Gesetz" der äquivalenten Reaktion auf Ausdruckszeichen in Realität und Bild: Durch zeichnerisches Experiment entwickelt werden kann ein „Mindestmaß an Kennzeichen, die notwendig sind, damit wir, sei es im Leben oder auf Bildern, einen Ausdruck verstehen und auf ihn ansprechen." So entstehen „Äquivalenzen oder Entsprechungen, die es uns ermöglichen, die Realität als ein Bild und ein Bild als Realität zu sehen. Dabei ist es wesentlich, daß diese Äquivalenz nicht so sehr auf einer Übereinstimmung der einzelnen Elemente beruht, als auf der Gleichheit unserer Reaktionen auf gewisse Relationen und Verhältnisse, selbst wenn ihre Elemente nicht identisch sind." Gombrich 1967, S. 379, 383. - Darin liegt der „Grundsatz, wonach jeder Figur, die wir als Gesicht deuten können, auch wenn sie noch so schlecht gezeichnet ist, ipso facto einen entsprechenden Ausdruck und Individualität besitzt." E. H. Gombrich, Maske und Gesicht in: Gombrich/Hochberg/Black, Kunst, Wahrnehmung, Wirklichkeit. Frankfurt/M. 1977, S. 34; vgl. dort S. 106 ff. [...]

13 Grundlegend ist hierzu die Übersicht über die 'Bildsprache' der Karikatur bei Metraux 1966, S. 115-155; vgl. Gombrich, Arsenal, S. 225-241; Kruszynski 1978, S. 57 ff., Grünewald 1979, S. 88 ff., Holsten 1976, S. 87 f.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

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