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Uo/Fragment 343 01

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 343, Zeilen: 1-38 (komplett), 102-106
Quelle: Kaulbach 1987
Seite(n): 55, 56, 58, 59, 65, 83, Zeilen: 55:21-27.29-31.35-38; 56:4.8-10.15-17.23-28; 58:41-44; 59:32-37; 65:15-21.24-32; 83:8-14.22-31
Die Geschichte dieser Motivkombinationen zeigt die veränderte Metaphorik für Krieg und Aufrüstung infolge der Industrialisierung. Aus den verschiedenen Verschiebungen und Vermischungen lassen sich systematisch Deutungsmuster dafür ablesen, dass die Bedrohung zunehmend von den Waffen selbst ausgeht. Die Selbständigkeit der Vernichtungstechnik wird als angstauslösend dargestellt. Die Übertragung von Merkmalen, Teilen oder Eigenschaften von Kriegsgerät auf den Menschen weist metaphorisch auf dessen Gewalttätigkeit hin. Die Hauptpersonen der Karikatur sind vor allem Herrscher und Politiker. Die Figur des Kanonen- oder Bombenträgers steht für den „Kriegsbringer“ und sein Verhalten. Seine Bedrohung kann durch Verzerrung ins Monströse noch gesteigert werden. Wer mit einem Kanonenrohr unter dem Arm daherkommt, muss riesig sein und über ungeheure Kräfte verfügen. Das Kanonenrohr steht im Bild für die Vorstellungen „Krieg“, „Drohung mit Bombardierung“ u. ä. und damit im übertragenen Sinn für eine politische Situation.178 Diese Motivkombination verhält sich konträr zu den Ritter- und Rolandfiguren, die mit Schild und Schwert gewappnet, Allegorien nationaler Verteidigung und friedensbeschützender Stärke sind.179 Politiker als Kanonenträger werden oft nur andeutungsweise ins Überdimensionale verzerrt. Das bedrohliche Element liegt hier im möglichen Handeln der Figur.

Angstauslösende Bildmittel sind das Größenverhältnis im Zusammenhang mit der Perspektive z. B. eine große dunkle Gestalt über dem Horizont. Ein weiteres Bildmittel ist die Vergegenständlichung ungeheurer Motive in einer Figur, die montierte Zusammenfassung in einer Personifikation. Für das Verständnis der Grenzlinie zwischen Lust und Unlust, Komik und Dämonie in der Karikaturrezeption ist die Bedeutung der Kombinationstechniken noch nicht hinreichend untersucht worden. Inwiefern kann eine Waffe als Körper oder Körperteil beim Betrachter noch ein Lachen freisetzen? Liegt in dieser Kombination die Grenze zwischen Witz und Angst?180

An Beispielen der „großen Kanone“ im Ersten Weltkrieg lässt sich eine entscheidende Veränderung bei der Verwendung beliebter Waffen feststellen: aus sympathischen Männchen werden riesige und nicht mehr beherrschbare Ungeheuer. Die deutschen Karikaturen auf die „dicke Bertha“ vermeiden Hinweise auf ihre zerstörerische Wirkung, während in den Bildern aus neutralen und betroffenen Ländern diese thematisiert wird. Drei Merkmale bedingen die ablehnende oder angstauslösende Wirkung des Bildes auf den Betrachter. 1. die Umformung in ein stählernes Ungeheuer auf vier Füßen und der Verzicht auf menschliche Kleidung und Physiognomie lösen Assoziationen aus; 2. die Überdimensionierung, die durch Untersicht noch gesteigert wird; 3. der Typus „Sieger [über einem Opfer“ zeigt in der Komposition den überlegenen Täter oben und die Opfer und Folgen seiner Taten unten angeordnet.]


178 Vgl. ebd., S. 56.

179 Vgl. Siegmar Holsten: Allegorische Darstellungen des Krieges 1870-1918. Ikonologische und ideologiekritische Studien (Studien zur Kunst des 19. Jahrhunderts Bd. 27) München 1976; Klaus Wolbert: Agitationsstil und Ikonographie politischer Plakate in der Weimarer Republik. Zur politischen Metaphorik in Plakaten bürgerlicher Parteien. In: Ausst. Darmstadt 1980, S. 14-25.

180 Vgl. Kaulbach: Bombe und Kanone, 1987, S. 65.

[Seite 55]

Die Geschichte dieser Motivkombinationen zeigt die besonders infolge der Industrialisierung veränderte Metaphorik für Krieg und Aufrüstung: systematisch lassen sich aus den verschiedenen Verschiebungen und Vermischungen Deutungsmuster dafür ablesen, daß die Bedrohung zunehmend von den Waffen selbst ausgeht und Selbständigkeit und Eigentätigkeit der Vernichtungstechnik als angstauslösende Erscheinungen dargestellt werden.

II.1. Der Mensch als Waffe

Die Ausstattung von Menschen mit Merkmalen, Teilen oder Eigenschaften von Kriegsgerät weist metaphorisch auf die Gewaltätigkeit dessen hin, was diese Menschen repräsentieren. [...] Die Richtung des Angleichungsvorgangs - von Menschen zu Waffen - bedingt, daß als Identifikationsgrundlage vor allem die Hauptpersonen der Karikatur, Herrscher und Politiker, mit Bomben und Kanonen als Körperteilen auftreten.

[Seite 56]

II.1.a. Der Kanonenträger

[...] Diese Figur steht für den 'Kriegsbringer' und seine Verhaltensdisposition. Seine Bedrohlichkeit kann durch Verzerrung ins Monströse noch gesteigert werden.

[...] Der 'Kanonenträger' legt die Veränderung in eine entgegengesetzte Richtung nahe: wer mit einem Kanonenrohr unter dem Arm daherkommt, muß riesig sein und über ungeheure Kräfte verfügen. [...]

[...] Das Kanonenrohr steht als Gegenstand im Bild zunächst nicht für sich selbst, sondern abgekürzt für Vorstellungen wie 'Krieg', 'Drohung mit Bombardierung' u.ä. Die Szene, in der eine Person oder Personifikation als Kanonenträger diese Drohung mit sich bringt, steht übertragen für eine politische Situation.

[Seite 58]

Genau gegenbildlich verhält sich die Motivkombination des Kanonenträgers zu den Ritter- und Rolandfiguren, den mit Schild und Schwert gewappneten Allegorien nationaler Verteidigung und friedensbeschützender Stärke.155

[Seite 59]

Überwiegend werden deshalb bekannte Politiker als Kanonenträger ins Bild genommen und nur andeutungsweise ins Überdimensionale verzerrt. Das eigentlich bedrohliche Element liegt dann im möglichen Handeln der Figur, das in einer bestimmten Situation als repräsentativ oder typisch gelten kann.

[Seite 65]

Als angstauslösende Bildmittel sind bisher zwei der „natürlichen Metaphern", die durch die spontane Reaktion des Betrachters auf physiognomische Formeln zustande kommen, untersucht worden:

- das Größenverhältnis im Zusammenhang mit der Perspektive; furchterregend ist etwa eine große dunkle Gestalt über dem Horizont179;

[...]

Ein drittes Bildmittel, mit den beiden anderen gleichzeitig anwendbar, ist die Vergegenständlichung ungeheurer Motive in einer Figur, die montierte Zusammenfassung in einer Personifikation. Für das Verständnis der Grenzlinie zwischen Lust und Unlust, Komik und Dämonie in der Karikaturrezeption ist die Bedeutung der Kombinationstechniken noch nicht hinreichend untersucht worden. Inwiefern kann die Waffe als Körper oder Körperteil noch Lachen beim Betrachter freisetzen? Bestimmt gerade diese Kombination die Grenze zwischen Witz und Angst?181

[Seite 83]

An Beispielen der 'großen Kanone' im 1. Weltkrieg läßt sich ein entscheidender Umschlag in der Verwendung belebter Waffen bestimmen: aus den sympathischen Männchen werden riesige und nicht mehr beherrschbare Ungeheuer. Die deutschen Karikaturen auf die „dicke Bertha" schließen Hinweise auf die zerstörerischen Wirkungen aus. Diese aber werden in den Bildern aus neutralen und betroffenen Ländern zum Thema. [...]

An drei Merkmalen der Motivzusammenstellung wird der Umschlag der Metapher deutlich:

1. im Assoziationsbereich durch die Umformung in ein stählernes Ungeheuer auf vier Füßen und den Verzicht auf menschliche Kleidung und Physiognomie;

2. in der Darstellungsweise durch die Überdimensionierung, die durch Untersicht noch gesteigert wird;

3. im Kompositionsschema durch die Wahl des Typus 'Sieger über einem Opfer', in dem oben der überlegene Täter und unter ihm Opfer und Folgen seiner Taten angeordnet werden.


155 Das ergibt der Vergleich mit der bei Holsten 1976 und Wolbert 1980 untersuchten heroisierenden Ikonographie.

179 Gombrich, Arsenal, S. 242 u.ff.; grundlegend dazu Holsten 1976; vgl. o. S. 58

181 Nach Kris 1977, S. 158 ff., ist der Grad an Verarbeitung ausschlaggebend in dieser Frage. [...]


Holsten 1976:
Siegmar Holsten, Allegorische Darstellungen des Krieges 1870-1918. Ikonologische und ideologiekritische Studien (= Studien zur Kunst des 19. Jahrhunderts Bd. 27) München 1976 (Diss. Bonn 1974)


Wolbert 1980:
Klaus Wolbert, Agitationsstil und Ikonographie politischer Plakate in der Weimarer Republik. Zur politischen Metaphorik in Plakaten bürgerlicher Parteien. In: Ausst. Darmstadt 1980, S. 14-25.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahmen bleiben ungekennzeichnet. Die Seite ist nichts anderes als ein teils wörtlicher, teils minimal umformulierter Zusammenschnitt von Kaulbach.

Sichter
(Graf Isolan) Agrippina1

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