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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 344, Zeilen: 1-26, 28-38
Quelle: Kaulbach 1987
Seite(n): 83, 85, 92, 93, Zeilen: 83:22-31.34-36; 85:10-12; 92:16-25.28-41; 93:21-23.25-40
[1. die Umformung in ein stählernes Ungeheuer auf vier Füßen und der Verzicht auf menschliche Kleidung und Physiognomie lösen Assoziationen aus; 2. die Überdimensionierung, die durch Untersicht noch gesteigert wird; 3. der Typus „Sieger] über einem Opfer“ zeigt in der Komposition den überlegenen Täter oben und die Opfer und Folgen seiner Taten unten angeordnet.

Die große Kanone als alles überragendes tierähnliches Ungetüm erschien seit 1914 in der Karikatur, über den konkreten Anlass hinaus oft als Metapher für die entfesselte Zerstörungskraft.181 Sie wurde zum Sinnbild einer entfesselten Maschinerie der kapitalistischen Rüstungsindustrie. Alle Merkmale, die für die synthetischen Kriegsungeheuer der Karikatur im 1. Weltkrieg gelten, passen ebenfalls auf die im September 1916 erstmals auf britischer Seite eingesetzten Kampfpanzer, die Tanks: Größe und Überlegenheit, dynamisches Innenleben der Maschine, Fernwirkung durch Geschütze, Unverwundbarkeit und Uneinsehbarkeit durch die stählerne Panzerung. In den Karikaturen wurden die „Tanks“ als Metapher für eine neue Kriegsmacht verwendet, die unausweichlich den Sieg bringen wird. Im Wahrnehmungszusammenhang nationaler Ausbruchsgefühle aus einer bedrohlichen Situation ist der „Tank“ ein technischer Über-Drache, der den „natürlichen Drachen“ zermalmt. Der erste Masseneinsatz von Panzern in der Schlacht von Cambrai 1917 brachte im Punch ein Bild, das mit jubelnden Komplimenten Sir Douglas Haig und seinen Tanks gewidmet war. Durch Motive, die das überlieferte Deutungsmuster des Drachenkampfes und damit die Ideologie des „heiligen Krieges“ mobilisieren, wurde es auf die Ebene einer nationalen Allegorie gehoben. Rittlings auf dem Tank kann der Befehlshaber zum heiligen Georg werden, der das Übel aus der Welt schafft. Das Georgskreuz auf seinem Schild, ein englisches Nationalsymbol, dient als legitimierendes Kennzeichen für den Sieger, die preußische Pickelhaube steht für den zu vernichtenden Feind.182 Die entsprechende Bildmetapher auf deutscher Seite musste sich daher mit der möglichen Zerstörung der Panzer befassen. Eine Umwertung des „Tanks“ als Metapher war nur aus distanziert-kritischer Sicht möglich.

In einem Kurzfilm von Julius Pinschewer „Die Zauberflasche“ (enthalten im Kriegsanleihe-Werbefilm Teil II.)183 entsteht per Stopptrick die Kohlezeichnung eines Tanks. Sie zeigt den Panzer als dunkle Kriegsmaschine, der sich unberührt von Explosionen von hinten links ins Bild schiebt. Im rechten Vordergrund sieht man drei anonyme Soldaten im Angriff gegen den Tank laufen. Im Verzicht auf nationale Kennzeichen entstand eine Reduktion auf den „Kern“ der metaphorischen Deutung, dass der „moderne“ Krieg ein aussichtsloser Kampf der Menschen gegen technisches Vernichtungsgerät ist. Der Panzer bleibt unweigerlich Sieger und wird zum Angstbild des sich mit den Opfern identifizierenden Betrachters. Seit 1918 ist dies eine feststehende Struktur der Metapher, die in der Karikatur mit verschiedenen Identifikationen eingesetzt werden kann, wie Beispiele aus dem Simplicissimus zeigen.


181 Vgl. ebd. [= Kaulbach] S. 83.

182 Vgl. ebd. S. 92. Vgl. auch: Gisela Reuter: Deutsche Karikaturen als Waffe der feindlichen Hetzpropaganda im Weltkrieg, Berlin 1942, S. 178. Wenn England Karikaturen zur Verspottung des deutschen Wesens veröffentlichte, konnte eine direkte Beteiligung der deutschen Karikatur hier nicht nachgewiesen werden.

183 Siehe Filmprotokoll.

[Seite 83]

An drei Merkmalen der Motivzusammenstellung wird der Umschlag der Metapher deutlich:

1. im Assoziationsbereich durch die Umformung in ein stählernes Ungeheuer auf vier Füßen und den Verzicht auf menschliche Kleidung und Physiognomie;

2. in der Darstellungsweise durch die Überdimensionierung, die durch Untersicht noch gesteigert wird;

3. im Kompositionsschema durch die Wahl des Typus 'Sieger über einem Opfer', in dem oben der überlegene Täter und unter ihm Opfer und Folgen seiner Taten angeordnet werden.

[...] Die große Kanone als alles überragendes tierähnliches Ungetüm erscheint seit 1914 in der Karikatur, über den konkreten Anlaß hinaus, oft als Metapher für die entfesselte Zerstörungskraft.

[Seite 85]

Sie wird zum Sinnbild einer entfesselten Maschinerie auch da, wo ihr nicht die Glieder eines abstoßenden Tieres angesetzt werden.

[Seite 92]

II.2.c. Der Panzer als Ungeheuer

II.2.c.1. Der Über-Drache des 1. Weltkriegs

Alle Merkmale, die für die synthetischen Kriegsungeheuer der Karikatur im 1. Weltkrieg gelten, treffen geradezu 'natürlicherweise' zu auf die im September 1916 erstmals auf britischer Seite eingesetzten Tanks, die Kampfpanzer: Größe und Überlegenheit, dynamische Eigenbewegung im Innenleben der Maschine, Fernwirkung durch Geschütze, synthetischer Aufbau aus verschiedenartigen Gliedern sowie Unverwundbarkeit und Uneinsehbarkeit durch die stählerne Panzerung.253 Daher wurden bereits in den ersten Karikaturen auf den Einsatz im Krieg die 'Tanks' als Metapher für eine neue Kriegsmacht verwendet, die unausweichlich den eigenen Sieg bringen wird. [...] Im Wahrnehmungszusammenhang nationaler Durchbruch- und Ausbruchsgefühle aus einer bedrohlichen Situation ist der 'Tank' ein technischer Über-Drache, der den 'natürlichen Drachen' zermalmt (229). Das Bild gilt dem ersten Masseneinsatz von Panzern in der Schlacht von Cambrai 1917; „mit Mr. Punch's jubelnden Komplimenten" ist es „Sir Douglas Haig und seinen Tanks" gewidmet. Auf die Ebene einer nationalen Allegorie gehoben wird es durch Motive, diedas überlieferte Deutungsmuster des Drachenkampfes und damit die Ideologie des 'heiligen Krieges' mobilisieren. Auf dem Tank reitend kann der Befehlshaber zum heiligen Georg werden, der das Übel aus der Welt schafft.254 Das englische Nationalsymbol Georgskreuz auf dem Schild dient als legitimierendes Kennzeichen für den Sieger, die preußische Pickelhaube für den zu vernichtenden Feind.

[Seite 93]

Die entsprechende Bildmetapher auf deutscher Seite war daher die trotzdem mögliche Zerstörung der Panzer.257

II.2.c.2. Der Panzer als Sieger

Während des 1. Weltkrieges war eine Umwertung des 'Tanks' als Metapher nur aus der distanziert-kritischen Sicht möglich, etwa in den in der Schweiz erscheinenden pazifistischen Zeitschriften. Masereels Holzschnitt von 1917 (233) zeigt einen Panzer als dunkle Kriegsmaschine, die sich unberührt von den Explosionen von links ins Bild schiebt und anonyme Soldaten zermalmt. Im Verzicht auf nationale Kennzeichen entsteht eine Reduktion auf den 'Kern', das allgemeine Deutungsmuster: am Panzer wird metaphorisch deutlich, daß der 'moderne' Krieg im aussichtslosen Kampf von Menschen gegen technisches Vernichtungsgerät besteht. Unweigerlich bleibt der Panzer Sieger und wird zum Angstbild des Betrachters, der sich mit den Opfern identifiziert.

Diese Ausprägung ist seit 1918 eine feststehende Formel, die in der Karikatur mit verschiedenen Identifikationen eingesetzt werden kann. Beispiele aus dem Simplicissimus zeigen den variablen Identifikationsbereich bei gleichbleibender Struktur der Metapher.


253 Vgl. Wright 1965, S. 808 - Iconclass 45 E 32 + 232.

254 Holsten 1976, S. 37 f.

[...]

257 „Andere Fotos halten das zerstörte feindliche Kampfgerät fest: zerfetzte Kanone, Wagen, umgeworfene Tanks. Gerade letztere wurden zu einem fast beschwörenden Symbol für die eigene S tandhaftigkeit, nachdem 1917 bei Cambrai der erste auf die Panzerwaffe aufgebaute englische Angriff die deutschen Stellungen völlig überrascht hatte." Kat. HMF 1976, S. 110 — die Karikatur dazu: E. Thöny, Das Ende der Tanks. Simplicissimus 22. Jg. H.6, S. 80. 8.5.1917.

„Ganz sicher ist der Erste Weltkrieg nicht durch die Panzerwaffe entschieden worden. Aber er wurde zum erstenmal in der Kriegsgeschichte wesentlich von technischen und wirtschaftlichen Faktoren bestimmt. Aber die eigentliche militärisch-technische Revolution hatte mit dem Einsatz des motorgetriebenen Kraftwagens und Panzers auf dem Gefechtsfeld begonnen. Die Bedeutung der Kriegswirtschaft wie überhaupt der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit für den Ausgang eines Krieges war offenbar geworden." Halle/Demand 1971, S. 68.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahmen bleiben ungekennzeichnet.

Unglaublich: das Beispiel von Kaulbach - ein Holzschnitt Masereels - wird einfach durch den "Kurzfilm von Julius Pinschewer" ersetzt, ansonsten bleibt der Wortlaut derselbe.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

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