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Uo/Fragment 345 01

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 345, Zeilen: 1-42 (komplett)
Quelle: Kaulbach 1987
Seite(n): 102, 118, 141, 142, 152, 154, 155, Zeilen: 102:6-22; 118:2-14; 141:47-142:1-6; 152:29-34; 154:14-16.18-20; 155:15-19
Es gehört zu den Grundlagen des Bildverstehens, dass die Aufteilung des Raumes der Wahrnehmung gesellschaftlicher Strukturen entspricht. Bereits die Anordnung eines Motivs auf der Bildfläche zeigt dem Betrachter eine Einordnung in gesellschaftliche Verhältnisse. Das Verhältnis von oben nach unten im Bild kann eine hierarchische Ordnung zum Ausdruck bringen, von links nach rechts bezeichnet es entsprechend dem politischen Sprachgebrauch die gesellschaftliche Parteilichkeit. Der Konvention kartografischer Projektion folgend kann sich auch ein geografisches Bezugsschema anbieten. Die metaphorischen Bedeutungen der Einordnung im Bildraum ergeben sich aus der menschlichen Raumwahrnehmung und den dazugehörigen Handlungsmöglichkeiten. Der Handlungs- und Bewegungsraum ist horizontal definiert; was darüber, „im Himmel“ ist, entzieht sich der Einflussnahme und gilt als übergeordnet. Unterhalb der Oberfläche angeordnete Dinge sind der unmittelbaren Wahrnehmung ebenfalls nicht zugänglich.184

Eine für die Verarbeitung von Kriegsdrohungen besonders bedeutsame Art der Metaphorik entsteht aus Gewichts- und Massevorstellungen. Die Empfindung der Gefahren, die von einem Geschütz oder Geschoss ausgehen, potenziert sich durch die Konfrontation mit einer aufgehäuften Menge oder überragenden Größe des Kriegsgeräts. Innerhalb des Bildraumes löst die Masse des Vernichtungsmaterials eine besondere Problemvorstellung aus: sie füllt einen großen Teil des Bildes und überträgt damit das große „Gewicht“ auf die jeweilige Situation, unter deren Druck jede weitere Handlung stehen wird. Dieses „Gewicht“ ist das bildliche Äquivalent für militärische Stärke, Rüstungspotentiale, Machteinfluss und Gewaltbereitschaft. Die Vernichtung durch Bombenabwurf vom Flugzeug ist der zentrale Anwendungsbereich für die Metapher der Bedrohung von oben. Die Bombardierung von Städten aus der Luft, die keinen Unterschied zwischen militärischen und zivilen Zielen macht, ist eine der schlimmsten Erfahrungen des 20. Jahrhunderts. Der vom Tod beherrschte Himmel, die Vernichtung aus der dritten Dimension, macht den Krieg zum totalen Krieg.

Die Schrecken des Krieges werden in der Karikatur in zwei Szenenarien dargestellt. Zum einen ist es die Explosion der Bombe in Kombination mit Motiven ihrer unmittelbaren Sprengwirkung; zum anderen ist es die Ruinenlandschaft mit Motiven für die bleibenden Zerstörungen.185 Betrachter der Abbildung einer Explosion befinden sich in einer dem Feuerwerkspublikum vergleichbaren Lage. Sie werden von der Vernichtung nicht getroffen, haben aber ihre Wahrnehmung zu deuten. In der Anwendung auf ein gegebenes Feindbild bietet sich die Möglichkeit, den Umgang mit vernichtender Kriegstechnik als akzeptabel zu vermitteln.

Der „Kriegsmaler“, eine Karikatur aus dem Simplicissimus 1916 von Heubner, „z.Z. im Feld“, verdeutlicht eine distanzierte Betrachtungsweise. Man sieht einen Maler, der auf dem Schlachtfeld in einem Granatentrichter sitzt und sich darüber ärgert, dass sein „Motiv“, ein bislang unzerstörtes Gebäude, wegge[bombt wird.]


184 Vgl. Kaulbach: Bombe und Kanone, 1987, S. 102.

185 Vgl. ebd. S. 152.

[Seite 102]

III. Bombe und Kanone im Bildraum: Die Metaphorik von Raum, Bewegung und Gewicht

Es gehört zu den Grundlagen des Bildverstehens, daß die Aufteilung des Raumes der Wahrnehmung gesellschaftlicher Strukturen entspricht. Bereits die Anordnung eines Motivs auf der Bildfläche leistet für den Betrachter eine Einordnung in gesellschaftliche Verhältnisse. Das Verhältnis von oben nach unten im Bild kann eine hierarchische Ordnung zum Ausdruck bringen: oben die Herrschaft, unten die Beherrschten. Das Verhältnis von links und rechts bezeichnet entsprechend dem politischen Sprachgebrauch die gesellschaftliche Parteilichkeit oder, der Konvention der kartografischen Projektion folgend, ein geografisches Bezugsschema.

Die metaphorischen Bedeutungen der Einordnung im Bildraum ergeben sich aus der menschlichen Raumwahrnehmung und den dazugehörigen Handlungsmöglichkeiten. Der menschliche Handlungs- und Bewegungsraum ist dabei horizontal definiert; was darüber, 'im Himmel' ist, entzieht sich der Einflußnahme und gilt als übergeordnet. Unterhalb der 'Oberfläche' angeordnete Dinge sind der unmittelbaren Wahrnehmung ebenfalls nicht zugänglich.

[Seite 118]

III.2.b. Der Bombenberg

Eine für die Verarbeitung von Kriegsdrohungen besonders bedeutsame Art der Metaphorik entsteht aus Gewichts- und Massevorstellungen. Die Empfindung der Gefahren, die von einem Geschütz oder Geschoß ausgehen, potenziert sich durch die Konfrontation mit einer aufgehäuften Menge oder überragenden Größe des Kriegsgeräts. Innerhalb des Bildraumes, in dem die politische Karikatur problematische Situationen vorführt, löst die Masse des Vernichtungsmaterials eine besondere Problemvorstellung aus: sie füllt einen großen Teil des Bildes aus und weist damit übertragen auf das große 'Gewicht', das es in der jeweiligen Situation hat und unter dessen Druck jede weitere Handlung stehen wird. Dieses 'Gewicht' ist als bildliches Äquivalent für militärische Stärke, Rüstungspotentiale, Machteinfluß und Gewaltbereitschaft zu sehen.

[Seite 141]

Die Vernichtung durch den Bombenabwurf vom Flugzeug ist der

[Seite 142]

zentrale Anwendungsbereich für die Metapher der Bedrohung von oben. Die Bombardierung von Städten aus der Luft, die keinen Unterschied zwischen militärischen und zivilen Zielen mehr macht, ist eine der entscheidenden Erfahrungen im 20. Jahrhundert. Der vom Tod beherrschte Himmel, die Vernichtung aus der dritten Dimension, machen den Krieg in der Vorstellung total.363

[Seite 152]

Zwei Szenen erfassen in der Karikatur die Schrecken des Krieges:

- die Explosion als Kombination aus explodierender Bombe und Motiven für ihre unmittelbare Sprengwirkung;

- die Ruinenlandschaft als Kombination aus Motiven für die bleibenden Zerstörungen.

[Seite 154]

Betrachter der Abbildung einer Explosion befinden sich in einer dem Feuerwerkspublikum vergleichbaren Lage. Sie werden von der Vernichtung nicht getroffen und haben ihre Wahrnehmung zu deuten. [...] In der Anwendung auf ein gegebenes Feindbild liegt die weitestgehende Möglichkeit, den Umgang mit vernichtender Kriegstechnik als akzeptabel zu vermitteln (vgl. o. S. 69).

[Seite 155]

Der „Kriegsmaler", eine Karikatur aus dem Simplicissimus von 1916 (434), macht die Wahrnehmung zum Bildthema. Heubner, „z.Z. im Feld", zeigt einen Maler, der auf dem Schlachtfeld in einem Granatentrichter sitzt und sich darüber ärgert, daß sein „Motiv", ein bislang unzerstörtes Gebäude, weggebombt wird.


363 Vgl. Wright 1965, S. 293 ff.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahmen bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

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