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Uo/Fragment 346 01

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 346, Zeilen: 1-39 (komplett)
Quelle: Kaulbach 1987
Seite(n): 155, 156, 158, 159, Zeilen: 155:19-27.30-49 - 156:1-5; 158:46-49-159:1.15-21.27-32
Ein heller Fleck, Striche und auseinanderbrechende Gebäudeteile am Horizont bilden das neue Motiv. Verlagerung an den Horizont und graphische Reduktion der Motive für die Explosionswirkung sind die entscheidenden Mittel, um Zustimmung zu erzeugen; der Blick auf das ästhetische Ereignis überdeckt die Folgen. Deutlich zeigte sich in Bildern englischer Kriegsteilnehmer diese Distanzierungsweise. Die Explodierende Mine ist nicht zu sehen, vielmehr bietet sich den Betrachtern der Anblick trichterförmig hochgeschleuderter Erde. Auch im Plakatentwurf für eine deutsche Kriegsausstellung 1916 ist die Reduktion das Wesentliche. Aus der von Gräben zerfurchten Landschaft feuern emporragende Kanonenrohre in die Tiefe des Bildraumes hinein. Die Mündungsfeuer sind als konzentrische Kreise um die Mündungen wiedergegeben, die Granatentreffer nur als aufsteigende schwarze Rauchsäulen hinter einem hügeligen Horizont wahrnehmbar. Zu einer völlig anderen Reaktion des Betrachters kommt es, wenn die Druck- und Lichterscheinungen nach vorne zielen und ihre Wirkung auf Menschen zu sehen ist. Max Beckmanns Radierung „Die Granate“ von 1915 betonte die Schreckmotive: eine in der rechten oberen Ecke explodierende Granate drückt die verletzten und schreiend fliehenden Soldaten an den vorderen Bildrand auf den Betrachter zu. Alles was sich an einer explodierenden Granate graphisch darstellen lässt, hat Auswirkungen auf den Menschen. Mit diesen Elementen wird die Explosion zur Metapher für den Augenblick des größten Schreckens. Das amtliche Propagandainserat von 1918 rechnete die in sieben Monaten von deutschen Fliegern abgeworfene Bombenlast von „über 3 Millionen Kilo“ zusammen, und zog den eingängigen Vergleich mit „zehn gewöhnlichen Güterzügen“. Diese „Erfolgsbilanz“ wird durch das Bild eines Piloten, der in siegessicherer Pose eine überdimensionierte torpedoförmige Bombe umarmt, noch überhöht.186

Ab 1916 häuften sich die Darstellungen zerstörter Landschaften und Ruinenvedute. Nun setzte sich auch innerhalb des propagandistischen Bildgebrauchs die Einsicht durch, dass nach zwei Jahren Krieg die überwiegenden Ergebnisse Tod und Verwüstung sind. Der Blick auf das Leben in den endlosen Wüsten von Schlachtfeldern als Ergebnis des Krieges ließ politische Schuldzuweisungen im Bild selbst sinnlos erscheinen. In einer Karikatur aus dem Punch von 1918 wurde daher die Anklage nur im Text ausgesprochen. Von zwei Soldaten im Regen der Trümmerlandschaft hörte man: „Die Welt wäre ein gemütlicher Platz, Jim, wenn's nie Deutsche gegeben hätte“.187 Mit dem Ersten Weltkrieg wurde die Trümmerlandschaft als Metapher für das Ergebnis des technischen Krieges geprägt. Seither wurde sie in der Karikatur auch zu Warnung vor einem drohenden Krieg eingesetzt. Der Blick auf die Verwüstungen hält die Erinnerung an die Kriegswirklichkeit fest und aktiviert sie gegen eine Politik, von der die Angst vor einem neuen Krieg ausgeht.


186 Vgl. ebd. S. 155ff.

187 Vgl. ebd. S. 159.

[Seite 155]

Ein heller Fleck, Striche und auseinanderbrechende Gebäudeteile am Horizont bilden das neue Motiv. Verlagerung an den Horizont und graphische Reduktion der Motive für die Explosionswirkung sind die entscheidenden Mittel, Zustimmung zu erzeugen; der Blick auf das ästhetische Ereignis überdeckt die Folgen. Deutlich zeigt sich in Bildern englischer Kriegsteilnehmer diese Distanzierungsweise. Die „Explodierende Mine" (435 a) ist selbst nicht zu sehen. Vielmehr bietet sich den Betrachtern der Anblick trichterförmig hochgeschleuderter Erde. [...] Auch im Plakatentwurf für eine deutsche Kriegsausstellung 1916 (435 b) ist eine derartige Reduktion wesentlich: Aus der von Gräben zerfurchten Landschaft feuern emporragende Kanonenrohre in die Tiefe des Bildraumes hinein. Die Mündungsfeuer sind als konzentrische Kreise um die Mündungen wiedergegeben, die Granatentreffer nur als aufsteigende schwarze Rauchsäulen hinter einem hügeligen Horizont wahrnehmbar.

Eine entgegengesetzte Reaktion des Betrachters wird angelegt, wenn die Druck- und Lichterscheinungen nach vorne zielen und ihre Wirkung auf Menschen zu sehen ist. Max Beckmanns Radierung „Die Granate" von 1915 (436) betont die Schreckmotive: eine in der rechten oberen Ecke explodierende Granate drückt die verletzten und schreiend fliehenden Soldaten auf den Betrachter zu an den vorderen Bildrand.

Alles was sich an einer explodierenden Granate graphisch darstellen läßt, hat Auswirkungen auf den Menschen. Die Bildanlage bringt dem Betrachter diese Wirkung buchstäblich nahe. Mit diesen beiden Elementen wird die Explosion zur Metapher für den Augenblick des größten Schreckens. Das amtliche Propagandainserat von 1918 rechnet die in sieben Monaten von deutschen Fliegern abgeworfene Bom-

[Seite 156]

benlast von „Über 3 Millionen Kilo" zusammen, bietet den für Zivilisten eingängigen Vergleich mit „zehn gewöhnlichen Güterzügen" an, die diese Masse füllen würde, und überhöht diese Erfolgsbilanz mit dem Bild eines Piloten, der in siegessicherer Pose eine überdimensionierte torpedoförmige Bombe umarmt (437 a).

[Seite 158]

Darstellungen zerstörter Landschaften werden allerdings erst ab 1916 häufig; mit ihnen beginnt, auch innerhalb des propagandistischen Bildgebrauchs in den beteiligten Staaten, die Einsicht, daß Tod und Verwüstung nach zwei Jahren Krieg die überwiegenden Ergebnis-

[Seite 159]

se sind.412 [...]

[...] Dieser Blick auf das Leben in der Wüste als wesentliches Ergebnis des Krieges schließt politische Schuldzuweisungen im Bild selbst aus. In einer Karikatur aus dem Punch von 1918 (451) wird die Anklage daher nur im Text ausgesprochen von zwei Soldaten, die im Regen in der Trümmerlandschaft sitzen: „Die Welt wäre ein gemütlicher Platz, Jim, wenn's nie Deutsche gegeben hätte." [...]

Mit dem 1. Weltkrieg hat sich die Trümmerlandschaft als Metapher für das Ergebnis des technischen Krieges ausgeprägt. Seither kann sie in der Karikatur auch zu Warnung vor einem drohenden Krieg eingesetzt werden.415 Der Blick auf die Verwüstungen hält die Erinnerung an die Kriegswirklichkeit fest und aktiviert sie gegen eine Politik, von der die Angst vor einem neuen Krieg ausgeht.


412 Vgl. Kat. HMF 1976, S. 110 f.: [...]

[...]

415 In den Karikaturen ist nur verkürzt zusammengestellt, was als ausschlaggebendes Argument gegen Krieg und Kriegsvorbereitung allgemein gebraucht wird: die Schilderung des Augenblicks nach dem Krieg, in dem die Verwüstungen offensichtlich werden und ein überlebender Mensch die Frage nach dem Sinn stellt. [...]

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahmen bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan) Agrippina1

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