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3. März 2016Bearbeiten

  • DIE ZEIT / Chancen Brief: Dreifache Widerrede [zum ZEIT-Artikel von Thomas Kerstan vom 18.02.2016] (Peter Gaehtgens) "1. These: [...] Die Voraussetzungen für einen Doktortitel gelten auch für prominente Politiker.
    2. These: [...] Der Doktortitel ist ein akademisches Leistungsattest, kein Adelsprädikat. Im Prüfverfahren der Universität geht es nur um den Vorwurf wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Die Übernahme von Texten anderer Autoren ohne deren Nennung ist eine Form wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Sie widerspricht auch der eidesstattlichen Erklärung, die jeder Doktorand mit der Dissertation vorlegen muss – auch schon vor 30 Jahren. Mit ihrer Prüfung kommt die Universität ihrer Verantwortung für wissenschaftliche Integrität und akademische Redlichkeit nach. Dabei muss die Position des Beschuldigten in der Gesellschaft, seine demokratischen oder sonstigen Legitimation unberücksichtigt bleiben [...]
    3. These: [...] Wissenschaftliches Fehlverhalten als solches ist rechtlich gesehen kein Delikt. Es handelt sich hier um eine Verhaltenskategorie, die nicht an staatlichen Vorschriften, sondern an gesellschaftliche Normen für das gemessen wird, was sich gehört und was nicht."
  • Deutsche Welle: Wenn der Staat die Telefonsex-Rechnung zahlt (Kay-Alexander Scholz) "Der Fall Beck ist nur das jüngste Beispiel für einen Rücktritt. Andere mogelten bei der Doktorarbeit, hatten die falschen Amigos oder schäkerten auf Landtagskosten. Politiker und ihr Karriereende - ein Überblick.
    [...] Das Medium Internet schaffte eine neue Qualität bei der Aufklärung von Skandal-Geschichten. 'VroniPlag' sorgte dafür, dass Politiker mit einem akademischen Titel in die Schusslinie gerieten. Seit 2011 durchsucht der Webanbieter Dissertationen auf ihren Anteil von nicht gekennzeichneten Copy-und-Paste-Passagen.
    Prominentestes Beispiel ist der 'falsche Doktor' Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Auch die FDP-Politiker Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis mussten aus demselben Grund auf ihrer politischen Laufbahn einen Zwangsstopp einlegen."

9. März 2016Bearbeiten

  • Presseinformation Medizinische Hochschule Hannover: Promotionsüberprüfung: MHH bestätigt Doktortitel für Ursula von der Leyen "Der Senat der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat in seiner heutigen Sitzung mehrheitlich entschieden, Dr. med. Ursula von der Leyen ihren Doktortitel nicht abzuerkennen. Damit folgt der Senat der Empfehlung der Kommission für Gute Wissenschaftliche Praxis (GWP) an der MHH. [...]
    Übereinstimmend stellten die Kommission und der Senat Mängel fest. Konkret geht es dabei um Fehler in der Form von Plagiaten, also um die Übernahme fremder Textpassagen, ohne die Originalautoren korrekt zu kennzeichnen. Die Kommission und der Senat kamen jedoch zu dem Schluss, dass das Muster der Plagiate nicht für eine Täuschungsabsicht spricht.
    'Die zuständigen Gremien der MHH haben sorgfältig, objektiv, ergebnisoffen und ohne Ansehen der Person geprüft. Es wurden Fehler festgestellt, allerdings kein Fehlverhalten', betonte Professor Dr. Christopher Baum, Präsident der MHH. 'Es gibt keine Anhaltspunkte für eine bewusste Täuschung.' "
  • NDR: Von der Leyen darf Doktortitel behalten "Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) darf ihren Doktortitel weiter führen. Der Senat der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat sich mehrheitlich mit sieben zu einer Stimme bei einer Enthaltung dafür entschieden, ihr den Titel nicht abzuerkennen. Bei der monatelangen Prüfung der Dissertation seien klare Mängel in der Form von Plagiaten festgestellt worden, sagte MHH-Präsident Prof. Christopher Baum bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. 'Es handelt sich um Fehler, nicht um Fehlverhalten. Das ist ein klarer Unterschied.' Es habe keine Anhaltspunkte für eine bewusste Täuschung gegeben. Zudem kam die Prüfkommission zu dem Schluss, dass von der Leyen mit ihrer Arbeit neue wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich der Geburtshilfe geliefert hatte."
  • Stuttgarter Nachrichten: Musterschülerin mit Makel (dpa) "Jetzt geht es darum, ob sie ihn [ihren Doktortitel] behalten darf. Eine schwere Entscheidung für die Hochschule, denn von der Leyen ist nicht nur prominent und ihr Fall seit Monaten in den Schlagzeilen. Für die Hochschule geht es auch um die eigene Glaubwürdigkeit, um den Wert der Wissenschaft.
    'Wir haben sorgfältig, objektiv und ohne Ansehen der Person geprüft', betont Christopher Baum, Präsident der MHH. Dieser Satz ist auch von Bedeutung, weil die Familie von der Leyen bis heute enge Beziehungen zur Hochschule pflegt. Die Arbeit wurde deshalb von externen Gutachtern geprüft. Die Entscheidung ist eindeutig. 'Der Senat entschied vor etwa einer halben Stunde mit 7:1, den Titel nicht abzuerkennen', sagt Baum.
    Ein Persilschein für die siebenfache Mutter, Top-Abiturientin und stetige Musterschülerin ist die Entscheidung aber nicht. Denn die 1990 mit der Note 1,0 bewertete Arbeit enthält Mängel und auch Plagiate, im wesentlichen in der Einleitung. 'Das sind Fehler, für die Frau von der Leyen als Autorin verantwortlich ist', betont Baum."
  • Der Tagesspiegel: Ursula von der Leyen darf Doktortitel behalten (Tilmann Warnecke, Amory Burchard) "Als der Plagiatsvorwurf Ende September vergangenen Jahres öffentlich bekannt wurde, hatte Leyen Fehler noch abgestritten. In einem schriftlich verbreiteten Statement gab Leyen am Mittwochabend zu: 'Teile meiner damaligen Arbeit entsprechen nicht den Maßstäben, die ich an mich selber stelle.' [...] Unter den Plagiatssuchern von „VroniPlag Wiki“ herrschte am Mittwoch Unverständnis über die Entscheidung. So hält Gerhard Dannemann, Jura-Professor an der Humboldt-Universität, die Begründung der MHH für problematisch. 'Sie stellt Plagiate fest, das soll aber kein Fehlverhalten sein: Das ist ein Widerspruch in sich', sagte Dannemann dem Tagesspiegel auf Anfrage. Es widerspreche auch geltendem Recht, bei 32 festgestellten Plagiaten auf 62 Seiten ein systematisches Vorgehen pauschal zu verneinen. Vielleicht habe die MHH sich für 'diese Verbiegung der Rechtslage' entschieden, um ihre Betreuung und Leyen vor Kritik zu schützen. 'Es ist nicht davon auszugehen, dass Leyen gegen die Entscheidung klagen wird.' Dass die Uni einen 'wissenschaftlichen Kern' der Arbeit von den Plagiaten abspalte, sei ebenfalls mit der geltenden Rechtsprechung nicht vereinbar."
  • BILD.de: Von der Leyen darf Doktortitel behalten. Summa cum Schwein gehabt, Frau Doktor! (Michael Nicolay, Hanno Kautz) "Die gute Nachricht erreichte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (57, CDU) gestern unter der Sonne Kaliforniens: Trotz handwerklicher Fehler in ihrer 26 Jahre alten Dissertation darf sie ihren Doktortitel behalten.
    Damit endete für von der Leyen ein monatelanger Nervenkrieg. Bereits im August 2015 hatte die Ministerin erfahren, dass ihr Plagiatsjäger auf den Fersen sind, in einer Arbeit stöbern, die sie 1990 verfasst hatte und die mit „magna cum laude“ (sehr gut) bewertet wurde.
    Sie hätte zu Hause in Hannover erst einmal selbst nach der Arbeit suchen müssen. Dann der Schreck: Auf den ersten Blick sei ihr aufgefallen, dass sie unsauber gearbeitet habe, erzählte von der Leyen später Vertrauten. Und sie entschied, ihre Hochschule um die offizielle Prüfung ihrer Arbeit zu bitten – und sich dann nicht weiter einzumischen.
    Kein leichtes Unterfangen, Zweifel blieben. Denn: Von der Leyen verfügt über exzellente Drähte zu ihrer alten Hochschule. Ihr Ehemann arbeitet dort, ist Arzt und Dozent in Hannover."
  • BILD.de: Post von Wagner. Liebe Dr. Ursula von der Leyen, (Franz Josef Wagner) "herzlichen Glückwunsch, dass Sie Ihren Doktor-Titel behalten dürfen. Auch wenn Sie ihn verloren hätten, wäre ich auf Ihrer Seite.
    Stellen wir uns eine Waage vor. Auf der einen Seite liegt die schlampige Doktor-Arbeit der Studentin Ursula. Auf der anderen Seite liegt Ihr Leben danach. Wohin neigt die Waage?
    Vor 26 Jahren waren Sie nicht die Verteidigungsministerin. Sie nahmen bei Ihrer Doktor-Arbeit nicht alles genau. Sie waren da schon Mutter. Sie waren eine Frau zwischen Windeln und Doktor-Arbeit.
    Wann hat es jemals in Deutschland eine Frau gegeben mit sieben Kindern und so einer Power? Ob mit Doktor oder ohne Doktor. Der Doktor-Titel ist mir scheißegal. Der Mensch ist wichtig."
  • schwäbische.de: Schluss mit den Albernheiten (Markus Riedl) "Kommentar/sz Ursula von der Leyen dürfte aufgeatmet haben. Der Verteidigungsministerin bleibt nicht nur eine persönliche Niederlage erspart. Auch die politischen Wirren, die eine Aberkennung des Doktortitels ausgelöst hätte, dürften ausbleiben. [...]
    Nun sind aber die Plagiatsjäger die Gelackmeierten – und das völlig zurecht. Plattformen wie Vroniplag Wiki geben vor, im Sinne einer sauberen Wissenschaft Doktorarbeiten zu überprüfen und Unregelmäßigkeiten bei der Zitierung nachzuweisen. Doch um wissenschaftliche Standards dürfte es den meist anonymen Saubermännern nicht immer in erster Linie gehen, sondern auch um politisches Kalkül. [...]
    Die Plagiatsjäger, deren Eignung zur Überprüfung einer wissenschaftlichen Arbeit im Übrigen niemand nachgewiesen hat, wollen sich vielmehr als Enthüller vermeintlich finsterer Machenschaften inszenieren und Politiker in einer leicht erregbaren, dauermoralisierenden Öffentlichkeit an den Pranger stellen.
    Gut, dass die Medizinische Hochschule Hannover dieses Spielchen nicht mitgemacht hat und zwar auf Mängel in der Arbeit hinwies, den Doktortitel aber nicht entzog. Denn es ist Zeit, dass die infantilen Plagiats-Albernheiten endlich aufhören."
  • Financial Times: German minister beats plagiarism charge (Stefan Wagstyl) "Ursula von der Leyen, German defence minister, can breathe a sigh of relief after an official inquiry into claims that she plagiarised her doctorate found that her transgressions were not serious enough for her to forfeit her PhD.
    After six months of investigation, Hanover Medical School announced on Wednesday that 57-year-old Ms Von der Leyen could retain the doctorate she acquired at the university in 1991 for research in gynaecology. Christopher Baum, school president, said: 'There were mistakes, but there was no misconduct.'
    The decision removes a cloud over chancellor Angela Merkel’s cabinet at a time when the government is under huge pressure in the refugee crisis and is nervously awaiting elections this Sunday in three of Germany’s 16 regions."
  • Spiegel Online: Plagiatsvorwurf: Hochschule entscheidet noch am Mittwoch über von der Leyens Doktortitel (Heike Klovert) "Darf Ursula von der Leyen ihren Doktortitel behalten? Am frühen Mittwochabend verkündet die Medizinische Hochschule Hannover ihre Entscheidung. Für die Ministerin steht viel auf dem Spiel - politisch wie persönlich. [...]
    Ursula von der Leyen hat die Plagiatsvorwürfe zurückgewiesen und schweigt seither beharrlich zu dem Thema. Sollte sie nun ihren Titel verlieren, wäre es eine harte persönliche Niederlage für die 57-jährige CDU-Politikerin. Außerdem gibt es auf Bundesebene bisher keinen Spitzenpolitiker, der im Amt blieb, nachdem ihm der Doktortitel entzogen worden war.
    Vorsorglich hat sich bereits Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hinter ihre Verteidigungsministerin gestellt. [...]
    Allerdings legte von der Leyen lange auch viel Wert auf ihre wissenschaftliche Karriere. Sie kommt aus einer Familie, in der universitäre Abschlüsse etwas zählen."

10. März 2016Bearbeiten

  • NDR.de: Netzspott für die Titelverteidigungsministerin "Gut abgeschrieben ist halb promoviert? Nach monatelanger Prüfung hat die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) am Mittwoch entschieden, dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) trotz handwerklicher Fehler ihren Doktortitel behalten darf. Für die MHH und die Ministerin selbst ist die Affäre nun beendet. Nicht so für viele Twitter-Nutzer. [...]
    Während die Twitter-Nutzer über von der Leyen spotten, reagieren die Nutzer auf Facebook oft zornig: 'Schöner Politikerbonus!... Bei jedem Anderen wäre da nicht so entschieden worden, da bin ich mir sicher', schreibt ein Nutzer. Und: 'Das ist doch ein Schlag ins Gesicht für alle, die hart gearbeitet haben, um den Doktortitel zu erhalten - finde ich.'"
  • FAZ.NET: Doktorspiele. Von der Leyen und Plagiat (Reinhard Müller) "Die Medizinische Hochschule Hannover hat Verteidigungsministerin von der Leyen bescheinigt, ihre Dissertation sei zwar mängelbehaftet, aber keine Täuschung. [...] Man wüsste allerdings gern, wie die Hochschule zu ihrem Schluss gekommen ist. Warum müssen ausgerechnet Plagiatsprüfer ihre Quellen nicht offenlegen?"
  • Berliner Morgenpost: Fehler, aber kein Fehlverhalten (Alexander Kohnen und Philipp Neumann) "Ein nüchterner Hörsaal, weiße Wände, roter Fußboden. Die Herren, die am Mittwoch um kurz nach 18 Uhr den Raum betreten, machen es spannend. [...] Man habe "klare Mängel festgestellt", sagt Hochschulpräsident Baum, vor allem in der Einleitung. "Fehler, für die die Autorin verantwortlich ist." Er nimmt sogar das Wort "Plagiat" in den Mund. [...] Es war die erste prominente medizinische Doktorarbeit, die auf Plagiate überprüft wurde. Karl-Theodor zu Guttenberg, Annette Schavan und Frank-Walter Steinmeier, die drei anderen Bundesminister, die bisher unter Plagiatsverdacht geraten waren und ihre wissenschaftlichen Werke überprüfen lassen mussten, waren Juristen oder Pädagogin."
  • Cicero Online: Wir Bildungsverweigerer (Alexander Kissler) "Die Plagiatsaffäre um Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen bestätigte einmal mehr, dass Bildung als Lifestyleaccessoire geschätzt wird, im Ganzen aber lässlich ist. Ursula von der Leyen hat in ihrer medizinischen Dissertation gestohlen. Sie gab fremdes geistiges Eigentum als ihr eigenes aus, sie schmückte sich mit fremden Federn – nichts anderes besagt der Begriff Plagiat. [...] Bei Bildung [...], so die gemeinsame Botschaft von Merkel und von der Leyen, kann man fünf gerade sein lassen, da dürfen die Grenzen von Mein und Dein verschwimmen. Bildung, heißt das, darf gestohlen und erschummelt und vorgetäuscht werden. Bildung ist das Potemkinsche Dorf der Berliner Flegelrepublik. [...] So lange der öffentliche Diskurs in Politik und Gesellschaft, Staat und Wirtschaft den Eindruck vermittelt, Bildung sei das, was man weg lassen könne, ein Luxusgut für Besserdenkende, ein Entspannungsbad für Fremdgedankengebärende – solange bleibt die Bildungsrepublik Deutschland eine Chimäre weit hinten am Horizont."
  • ZEIT ONLINE: Freispruch aus Mangel an Beweisen (Hermann Horstkotte) "Die Entscheidung pro Ursula von der Leyen ist nicht überraschend, vertretbar wäre aber auch eine andere gewesen. [...]
    Verlieren die Plagiatsjäger ihre Glaubwürdigkeit
    Nein. Mit der Hannoveraner Entscheidung pro von der Leyen sind die Plagiatsforscher um das VroniPlag Wiki in ihrer Glaubwürdigkeit überhaupt nicht widerlegt. Auch die Hochschule Hannover hat offensichtlich mehrere Textpassagen entdeckt, die ohne Kennzeichnung übernommen wurden. Mit den Sanktionen haben die Plagiatsjäger dann nichts mehr zu tun. [...]
    Kommen Plagiatoren also künftig davon? [...] Verblüffend ist die Argumentation der Hochschule in Hannover, die von der Leyen zugute hält, dass 'handwerkliche Fehler sich im Wesentlichen auf den Einleitungsteil der Arbeit' beschränken. Demgegenüber wurden 'im zentralen Ergebnisteil der Dissertation', also bei den hard facts der Untersuchung, 'keine Mängel festgestellt'. Ob diese Unterscheidung und dieses Verständnis von Wissenschaft wirklich dem Kampf gegen das Plagiatsunwesen dient, darf bezweifelt werden."
  • Süddeutsche Zeitung: Wer abschreibt, muss den Titel abgeben (Roland Preuß) "Die Entscheidung der Medizinischen Hochschule Hannover trifft eine verbreitete Stimmung, ist aber falsch. [...] [D]ie Begründung der Hochschule ist fragwürdig. Sie spricht von Plagiaten in der Arbeit, will aber kein Fehlverhalten feststellen. Sie spricht von Mängeln, die aber dadurch geheilt würden, dass von der Leyen mit ihrer Arbeit Neues zutage gefördert habe. Damit legt sie andere Maßstäbe an als andere Hochschulen, die in ähnlich gelagerten Fällen den Doktortitel aberkannt haben. Wer abschreibt muss den Titel abgeben, egal in welchem Teil der Arbeit er plagiiert hat und egal, welche Erkenntnisse er gewinnt. So war es im Fall der einstigen Bildungsministerin Annette Schavan, so haben es die Gerichte vielfach bestätigt. [...] Eine indirekte Aufweichung wissenschaftlicher Standards [...] ist falsch."
  • SPIEGEL ONLINE:
    • Ursula von der Leyen: So reagieren Wissenschaftler auf das Plagiatsurteil (Kristin Haug) "Dass die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) der Verteidigungsministerin ihren Doktortitel nun nicht aberkannt hat, überrascht Weber-Wulff: 'Die Hochschule hat festgestellt, dass Ursula von der Leyen plagiiert hat. Dass sie darin kein Fehlverhalten sieht, wundert mich.' Auch der Berliner Juraprofessor Gerhard Dannemann, der ebenfalls auf VroniPlag Wiki Plagiate aufdeckt, ist irritiert: '[...] [D]ass 32 anerkannte Plagiate auf 62 Seiten Doktorarbeit kein Fehlverhalten sein sollen, kann ich nicht nachvollziehen.' Auch das Argument der Kommission, dass ja 'nur' in der Einleitung plagiiert worden sei, lässt er nicht gelten. Zudem seien in der Dissertation nicht nur dort, sondern auch bei der Diskussion der Ergebnisse handfeste Plagiate dokumentiert worden, so Dannemann. [...] Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, erkennt in den Plagiatsvorwürfen gegenüber Politikern wie Annette Schavan oder Ursula von der Leyen auch etwas Positives: 'An den Schulen schärfen diese Fälle die Aufmerksamkeit dafür, wie man ordentlich und sauber mit fremdem geistigem Eigentum umgeht.'
    • Medizin-Promotionen: Gebt mir den Doktortitel, ich bin Arzt (Verena Töpper) "VroniPlag Wiki hat in mehr als 90 medizinischen Dissertationen Plagiate dokumentiert. Bei einzelnen Arbeiten seien alle Seiten plagiiert, sagt Dannemann. 'Da werden Plagiate von Plagiaten von Plagiaten eingereicht. Und die Ursprungsarbeit ist die Habilitationsschrift des jeweiligen Betreuers, der nicht gemerkt haben will, dass von ihm abgeschrieben wurde.' So etwas gebe es in keinem anderen Fach. 'In der Medizin gibt es Bereiche, in denen jede Qualitätskontrolle ausgeschaltet zu sein scheint.'"
    • Plagiatsaffäre: Vorteil von der Leyen (Melanie Amann) "Jetzt ist es offiziell: Ursula von der Leyen hat plagiiert. [...] Wer kein Experte für wissenschaftsrechtliche Regularien ist, wundert sich da schon. Wie kann man unabsichtlich abschreiben? Wieso ist ein Plagiat kein Fehlverhalten? Und wieso haben die Prüfer unterschieden zwischen Fehlern in wichtigen und in unwichtigen Teilen der Dissertation?"
  • TAZ.de: Die falsche Entscheidung (Ralf Pauli) "Die Verteidigungsministerin darf ihren Doktortitel zu Unrecht behalten. Die Autonomie der Hochschulen geht zu weit.
    [...] Solange weder Prüfungskommissionen noch Hochschulleitungen transparent machen, wie und anhand welcher Kriterien sie zu ihrer jeweiligen Entscheidung kommen, sind Plagiatsaffären politische Überraschungseier. Mit dem Unterschied, dass die Beschenkten diejenigen kennen, die ihre Eier befüllen. Das muss sich ändern.
    So sinnvoll die Autonomie der Hochschulen in vielen Punkten ist, hier verstärkt sie ein Willkür- und Vetternsystem, das niemandem nützt: Nicht den PolitikerInnen, die offensichtlich verschont werden sollen, nicht der Wissenschaft, die sich lächerlich macht, und nicht denen, die ernsthaft forschen und für die eine Doktorarbeit mehr ist als ein reines Karrieresprungbrett."
  • Telepolis: Von der Leyen hat nur "handwerklich" in der Doktorarbeit geschlampt (Florian Rötzer) "Die Medizinische Hochschule Hannover hat wie erwartet entschieden und sieht in der Dissertation der Ministerin nur Fehler, aber kein Fehlverhalten [...]
    Ein halbes Jahr hatte die Universität geprüft, was auf VroniPlag an Plagiaten für alle nachvollziehbar nachgewiesen wurde. Dass von der Leyen nicht korrekt gearbeitet hat, lag für jeden auf der Hand, es ging darum, wie das wissenschaftliche Fehlverhalten bewertet wird. Das betrifft nicht nur die einzelne Arbeit, sondern stellt heraus, wie die Universität die Anerkennung wissenschaftlicher Arbeiten handhaben will, letztlich auch, was eine Doktorarbeit der MHH wert ist und wie frei die Hochschule von politischem Druck entscheidet.
    Bei medizinischen Doktorarbeiten mit meist geringem Umfang werden vielfach die Augen zugedrückt. Auch wenn nicht alle Mediziner die Mühe auf sich nehmen, eine Doktorarbeit zu verfassen, ist allseits bekannt, dass viele, wenn auch beileibe nicht alle Arbeiten weder wissenschaftlich Neues bieten noch den Standards von Dissertationen an anderen Fakultäten entsprechen. Das ist Tradition, [...]
    Die Hochschule attestiert jedenfalls der Ministerin angeblich ohne Ansehen der Person, es habe sich 'überwiegend' um keine bewusste Täuschung gehandelt. Man spricht lieber von einer 'handwerklich nicht sauberen Arbeitsweise'. Auf die müssen sich nun alle berufen dürfen, die an der MHH eine Doktorarbeit geschrieben haben oder noch verfassen wollen. Sie müssen nur kundtun, die Copy&Paste-Passagen seien halt handwerkliche Fehler, die ohne Absicht in den Text übernommen wurden. Vielleicht werden sie deswegen handwerklich genannt, um jeden Verdacht fernzuhalten, es habe etwas mit Kopfarbeit zu tun, wo das Bewusstsein nicht fern ist. Auch ein Prüfen von Doktorarbeiten auf Plagiate kann sich die Hochschule in Zukunft ersparen, auch wenn sie sich eine Hintertüre offenhält und davon spricht, dass die "Muster der Plagiate", dass keine Täuschungsabsicht vorliegen. [...]
    Die MHH hat entschieden, wie man dies im Ansehen der Person, um die es ging, erwartet hat. Sie hat damit andere Universitäten düpiert, die auch Politikern den Doktortitel wie bei Schavan entzogen haben, wo die Plagiate weniger häufig und umfangreich auftraten. Das Ansehen des medizinischen Doktortitels wurde noch einmal nachhaltig untergraben, was dem Wissenschaftsstandort Hannover und Deutschlands nicht gerade förderlich sein wird. Nun dürfen mit Verweis auf von der Leyen und die MHH die sowieso niedrigen Maßstäbe für medizinische Doktorarbeiten weiter gesenkt werden. Für Mediziner, die eine eigenständige Arbeit geleistet haben, ist die Entscheidung der MHH hingegen ärgerlich."
  • Die Welt: Fehler ja, aber kein Fehlverhalten. Ursula von der Leyen hat unsauber gearbeitet, darf aber ihren Doktortitel behalten (Ulrich Exner, Ansgar Graw) "Ihre Doktorarbeit über 'C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter' sei trotz diverser Mängel in der Einleitung in ihrem Kern 'neu, wissenschaftlich valide und von praktischer Relevanz' gewesen, entschied der Senat der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Eine Täuschungsabsicht sei nicht erkennbar gewesen. Nach Ansicht des Gremiums gab es zwar vor allem in der Einleitung der Doktorarbeiten Plagiatspassagen und fehlerhafte Zitierungen, im Hauptteil der Arbeit seien aber keine relevanten Fehler zu erkennen. Das Vorhandensein von Mängeln, die auf eine 'handwerklich nicht saubere Arbeitsweise zurückzuführen' seien, werde der Ministerin schriftlich mitgeteilt. Weitere Folgerungen werde es nicht geben. [...]
    Von der Leyen hat nach Recherchen der Plagiatsforscher des Internetportals VroniPlag auf 27 von 62 Seiten ihrer Dissertation unsauber gearbeitet, die Vorwürfe betreffen also knapp die Hälfte der Arbeit. Laut VroniPlag enthalten fünf Seiten einen Plagiatsanteil von 50 bis 75 Prozent und sechs Seiten mehr als 75 Prozent. In der Tat sind die Übereinstimmungen zwischen von der Leyens Text und den entsprechenden Vorlagen schon bei einem ersten Blick auf die von VroniPlag ins Internet gestellten Plagiatsseiten frappierend. Wortgleiche Sätze und Absätze, alles ohne Gänsefüßchen beziehungsweise einen Quellenverweis."
  • Der Tagesspiegel: Dr. med. mit Kratzer (Amory Burchard, Anja Kühne, Tilmann Warnecke) "Die Diskussion um die Qualität medizinischer Doktorarbeiten ist damit aber keineswegs beendet. Im Gegenteil, sie wird durch den Freispruch eher beflügelt – zumal dieser viele Fragen aufwirft. [...] Verwunderung löst die Begründung der MHH aus. 'Eigenartig' nennt sie Debora Weber-Wulff [...]. 'Offenbar hat man versucht, eine pragmatische Lösung zu finden.' Dass die MHH zwar Plagiate feststelle, darin aber kein Fehlverhalten, sondern nur 'Fehler', sehe, sei nicht nachvollziehbar. [...] Insgesamt habe sich die MHH womöglich einen Bärendienst erwiesen: 'Studierende und Doktoranden dürften jetzt verunsichert sein, was eigentlich erlaubt ist und was nicht.' [...] Gerhard Dannemann [...] findet die Entscheidung der MHH zumindest zwiespältig. [...] 'Jetzt könnte es für Studierende so klingen: Ihr dürft weiter plagiieren, wenn ihr es nur in der Einleitung macht.' [...] In der Medizin dürfen Plagiate in der Einleitung einer Arbeit [...] keineswegs von vornherein als 'harmlos' gelten, erklärt der frühere FU-Präsident Peter Gaehtgens, emeritierter Medizinprofessor und ehemaliger Dekan der Medizinischen Fakultät der FU."
  • STERN.de: Plagiatsjäger werfen Hochschule Schonung von der Leyens vor (fin/DPA) "Plagiatsforscher haben die Bestätigung des Doktortitels von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) scharf kritisiert. Der Berliner Rechtsprofessor Gerhard Dannemann sagte am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur, die Entscheidung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) würde vor Gericht keinen Bestand haben. Nach der bisherigen Rechtsprechung seien im Fall von der Leyen 'alle objektiven Voraussetzungen für eine Täuschung' gegeben. [...] Er warf der MHH vor, von der Leyen in Schutz zu nehmen. 'Ich glaube, man hat sich gesagt: Wie kommen wir da jetzt raus, ohne die Hochschule zu beschädigen und ohne Frau von der Leyen zu beschädigen', sagte er. 'Ich halte es für ganz fatal, wenn die wissenschaftliche Seite und die politische Seite nicht getrennt betrachtet werden können.'"
  • Waiblinger Kreiszeitung: Aufatmen (Norbert Wallet) "Ursula von der Leyen hat sich bei ihrer Promotion nicht mit Ruhm bekleckert, Fehler gemacht, aber eine Leistung von wisschenschaftlicher Relevanz erbracht und kann ihren Doktortitel behalten. Wer nicht nach Skandalen lechzt, kann aufatmen. Der Eifer, mit dem selbst ernannte wissenschaftliche Tugendwächter immer wieder mit inquisitorischer Hartnäckigkeit nach Verfehlungen suchen, die Jahrzehnte zurück liegen, hatte immer etwas Abstoßendes an sich gehabt. Auch dann, wenn ihre lustvolle Suche tatsächlich handfeste Ergebnisse zu Tage förderte, wie seinerseits zweifellos im Fall Guttenberg."
  • General-Anzeiger (Bonn): Davon gekommen (Holger Möhle) "Ursula von der Leyen darf ihren Doktortitel behalten. Ein Glanzstück wird ihre Promotionsarbeit der Medizinerin und heutigen Verteidigungsministerin trotzdem ganz gewiss nicht mehr. Der Senat der Medizinischen Hochschule Hannover hat ihr nach mehrmonatiger Prüfung „klare Mängel“ nachgewiesen. Plagiatselemente und unsauberer Umgang mit Quellen finden sich auf 27 Seiten ihrer 62 Seiten umfassenden Doktorarbeit, also auf beinahe jeder zweiten Seite. [...] Von der Leyen hat schlampig gearbeitet und ist noch einmal davon gekommen."
  • Main-Post: Von der Leyen behält ihn – doch Doktortitel verlieren Glanz (Michael Pohl) "Auf der Seite des Internet-Netzwerks 'VroniPlag' finden sich derzeit 166 Namen von Akademikern, deren Doktorarbeiten von Plagiatjägern auf unerlaubtes Abschreiben gefilzt werden oder wurden. Die Titel der ersten neun Kandidaten sind wie auf Steckbriefen in Wildwestmanier durchgestrichen. Angeführt wird die Liste von Edmund Stoibers Tochter Veronica Saß - der unfreiwilligen Namensgeberin von 'VroniPlag'. Ihr 'Dr. jur' wurde nach Enthüllungen des Netzwerks ebenso aberkannt, wie etwa die Doktortitel der FDP-Politiker Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis."

11. März 2016Bearbeiten

  • Frankfurter Allgemeine Zeitung (Nr. 60, S. 2): Ohne Ansehen der Person. Warum Ursula von der Leyen ihren Doktor behält [€] (Heike Schmoll) "Im Unterschied zu den Universitäten in Bayreuth (zu Guttenberg) und Düsseldorf (Schavan) wird die MHH den Kommissionsbericht nicht veröffentlichen. Das sei nicht unüblich, begründet ein Sprecher die Zurückhaltung. Ob sich die Hochschule damit einen Gefallen tut, ist fraglich. Sie nährt dadurch den Verdacht, dass andere Kriterien als rein wissenschaftliche bei der Beurteilung eine Rolle gespielt haben könnten, etwa die bleibende Verbundenheit von der Leyens mit ihrer früheren Universität als Mitglied des Kuratoriums der Förderstiftung. [...] Angesichts der vielen nicht dokumentierten Textübernahmen in von der Leyens Arbeit stellt sich für den unvoreingenommenen Betrachter die Frage, wie diese Stellen 'aus Versehen' abgeschrieben werden konnte. [...] Dass die MHH an solchen Regelverletzungen wenig Anstoß nimmt, solange der empirische Teil der Dissertation stimmt, könnte eine abermalige Debatte über die Qualität von medizinischen Qualifikationsarbeiten zur Folge haben."
  • BR5: Plagiate und Schlamperei: Die Schwächen von medizinischen Doktorarbeiten (Susanne Dietrich) "[...] 'Was mich auch erstaunt, sind die Doktorarbeiten, die aus der Wikipedia ihr Grundwissen übernehmen über verschiedene benachbarte Felder. Aber auch Grundwissen aus der Medizin wird eins zu eins aus Artikeln in der Wikipedia übernommen, natürlich ohne Kennzeichnung.' [...] Ein Stück weit ist die Misere allerdings auch hausgemacht. Denn: Nicht nur Doktoranden schlampen, sondern offenbar auch die betreuenden Professoren und Gutachter. Wie sonst ist es zu erklären, dass es einem hochspezialisierten Wissenschaftler an einer Universität nicht auffällt, wenn Doktoranden Quellen nicht nennen oder aus Wikipedia-Einträgen abschreiben, wie die Plagiatsjäger von VroniPlag Wiki dokumentieren können?"
  • Meininger Tageblatt: Problem der Titelflut in der Medizin bleibt (dpa) "[...] Doch in der Wissenschaft hat sich der Fokus längst auf die teils unseriöse Praxis bei Promotionen gerichtet. 'Medizinische Doktorarbeiten haben in Deutschland ein Problem', sagt die Berliner Informatikprofessorin Debora Weber-Wulff, die Zehntausende Dissertationen auf Plagiate untersucht. Es gebe 'so viele dreiste Arbeiten', oft auch noch oberflächlich betreut. Der Verdacht: Sie werden in großer Eile lediglich für 'Türschild-Titel' geschrieben. [...] Gibt es konkrete Kritik aus der Wissenschaft zum Fall von der Leyen? Gerhard Dannemann, Jura-Professor und Mitarbeiter der Plattform VroniPlag Wiki, sorgt sich um die wissenschaftlichen Sitten: 'Ich hätte ein klares Wort erwartet, dass die Arbeit so nicht hätte angenommen werden dürfen. Stattdessen geht von der Entscheidung das Signal aus: "In der Einleitung dürft ihr künftig abschreiben"', sagt er und fügt hinzu: 'Der akademische Grad wird beschädigt, wenn der Eindruck erweckt wird, dass so eine Arbeit wie die von der Leyens annahmefähig ist.' Dannemanns Kollegin Weber-Wulff kritisiert: 'Die MHH hat Plagiate festgestellt, sieht aber kein wissenschaftliches Fehlverhalten - das ist ein Widerspruch.'"
  • Ärzte-Zeitung: Plagiatsjäger rügen Doktortitel-Entscheidung (cben) "Professor Gerhard Dannemann, Jurist an der Berliner Humboldt-Universität und Mitarbeiter im VroniPlag Wiki, kritisiert die Entscheidung des MHH-Senats zugunsten von Ursula von der Leyen. "32 festgestellte Plagiate sind Fehlverhalten, auch ohne nachgewiesenen Vorsatz", sagte er der "Ärzte Zeitung". [...] Die Anti-Plagiats-Plattform "VroniPlag Wiki" hatte die Doktorarbeit der Ministerin in Frage gestellt, nachdem sie in der 62-seitigen Schrift nach eigenen Angaben 43 Plagiate entdeckt hatte; 32 hat die MHH bestätigt."
  • Kommersant.ru: Министр обороны ФРГ правильно защитилась (Галина Дудина) "Урсула фон дер Ляйен сохранит портфель и ученую степень
    Глава оборонного ведомства ФРГ Урсула фон дер Ляйен сохранит за собой докторскую степень, а значит, и пост министра. Так в Германии завершилось громкое расследование относительно наличия плагиата в ее диссертации по акушерству и гинекологии. Решение научного совета Ганноверского медицинского института дает госпоже фон дер Ляйен, одному из наиболее популярных политиков страны, шанс выдвинуть свою кандидатуру на пост канцлера уже в следующем году.
    Научный совет Ганноверского медицинского института, где нынешний министр обороны ФРГ защитила в 1990 году свою диссертацию, принял решение не лишать госпожу фон дер Ляйен научной степени. Анализ ее диссертации был проведен по просьбе самого министра после того, как ее обвинил в плагиате онлайн-портал VroniPlag Wiki, исследующий находящиеся в открытом доступе научные работы. "
  • taz: Diss zweiter Klasse (Anna Lehmann) "[...] Auf VroniPlag Wiki, wo die Plagiatssucher alle sezierten Doktorarbeiten veröffentlichen, sind 100 der 166 dokumentierten Fälle Dissertationen im medizinischen Bereich."

13. März 2016Bearbeiten

  • Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (Nr. 10, S. 10): Hört endlich auf mit dem Promovieren! (Jürgen Kaube) "Wichtiger als der Einzelfall und die öffentliche Ermüdung angesichts der zahlreichen Plagiatsfälle sind jedenfalls die Zustände an manchen medizinischen Fakultäten. Knapp hundert der von 'Vroniplag' bislang untersuchten 166 Fälle betrafen Mediziner. Dabei sind die unglaublichsten Plagiatsarten zutage getreten. [...] Solche Fälle zeigen drastisch, dass es Systembedingungen für Plagiate gibt. Man sage nicht, dass sie allein im wissenschaftsfremden Bedürfnis der Ärzte liegen, den Doktortitel zu führen. Denn auch bei medizinischen Habilitationen, Arbeiten also, die angeblich um der Forschung willen erfolgten, fanden sich wiederholt Plagiate. Bei dem schmalen Umfang, in dem bislang an deutschen Universitäten auf Plagiate geprüft wurde, darf man mit einer hohen Dunkelziffer rechnen. Entspräche das deutsche Wissenschaftssystem den Maßstäben, die es gern beschwört, wäre freilich nicht die Aufklärung vergangener Täuschungen vorrangig. Sondern die Reduktion der absurden Promotionszahlen, die nichts mit theoretischer oder empirischer Neugier zu tun haben."
  • taz.de: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch? (Friedrich Küppersbusch, Fragen MLK, JOB) "Trotz Plagiierens darf Ursula von der Leyen ihren Doktortitel behalten. Hat es überhaupt noch einen Wert, in Deutschland Akademiker zu sein?
    Lese von Plagiaten 'auf 27 von 62 Seiten' der Doktorarbeit und erinnere dabei, dass man für ein schlichtes Diplom in Journalistik damals 120 Seiten liefern musste. Ich werd' Arzt."

14. März 2016Bearbeiten

  • der Freitag: Im Zweifel gegen die Wissenschaft (Marcel Schütz) "Die Verteidigungsministerin bleibt Doktor. Kein gutes Signal für den akademischen Nachwuchs, aber ein gutes Indiz dafür, Medizin-Promotionen nicht ernst nehmen zu müssen. [...] Ist die Promotion zu 35 Seiten noch Promotion und zu 27 Seiten schon missglücktes Machwerk? Das böte eine lukrative Argumentationshilfe für leistungsauffällige Studenten. Auch schwere Mängel sind demnach also kein Grund für Titelverlust. Allein auf die Täuschungsabsicht, nicht auf Dosis, komme es an, meint man in Hannover wissen zu können. [...] Die Behelfsdifferenz von Fehlern und Fehlverhalten ist eingedenk des Ausmaßes angezeigter Fehlnisse selbst fehlerhaft. [...] Die Entscheidung in Hannover ist zumutungsreich und doch wenig überraschend. Sie führt einem breiten Publikum vor Augen, was von Medizinpromotionen zu erwarten ist. Und sie gibt beredt Zeugnis darüber, welche Schleifen man anklebt, um ein literarisches Unglück noch als wissenschaftlich erscheinen zu lassen. [...] Ob nun Vorsatz oder nicht - im systematischen Täuschen übt sich vor allem die MHH selbst. Und das in alle Richtungen und zum eigenen Wohle."

16. März 2016Bearbeiten

  • DIE ZEIT: Richtige Doktoren - Was für die Wissenschaft aus der Causa von der Leyen folgt (Manuel J. Hartung, Martin Spiewak) "Was wäre eigentlich passiert, wenn die Medizinische Hochschule Hannover der Bundesverteidigungsministerin den Doktortitel entzogen hätte? [...]
    Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass viele der neben dem Studium verfassten medizinischen Dissertationen so dünn wie dürftig sind und, wie es der Wissenschaftsrat 2011 offiziell feststellte,  »in der weit überwiegenden Zahl der Fälle nicht den Standards der Doktorarbeiten anderer naturwissenschaftlicher Fächer« entsprechen. [...] Bei der Entscheidung für von der Leyen hat die Uni den richtigen Maßstab angelegt. Die Begründung - die Plagiate seien Fehler, aber kein Fehlverhalten - war indes verbal akrobatisch und inhaltlich abenteuerlich. Die ehrliche Version hätte gelautet: »Dr. von der Leyen hat an einigen Stellen unwissenschaftlich gearbeitet. Da dies in der Medizin aber weitverbreitet ist, wäre es unfair, ihr den Titel zu entziehen.« 
    Warum die Hochschulrektorenkonferenz nun erklärt, Plagiate und die Qualität medizinischer Promotionen seien »unbedingt getrennt zu betrachten«, ist daher rätselhaft."
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung (Nr. 64, S. N4): Doppelter Standard. Mediziner sperren sich der Promotionsreform (Thomas Thiel) "Die medizinische Promotion gilt nicht erst seit dem Plagiat von Ursula von der Leyen als Zweifelsfall. [...] Der prominente Plagiatsfall machte nun sichtbar, dass es auch um die Qualitätssicherung nicht zum Besten steht. [...] Mit der Betonung des für eine Promotion eigentlich selbstverständlichen wissenschaftlichen Werts der Arbeit von Ursula von der Leyen hat die Kommission der Medizinischen Hochschule Hannover eher den Eindruck verstärkt, dass die Medizin weiter einen Sonderstandard für sich in Anspruch nehmen will. Dafür spricht auch die Entscheidung der Gutachter, den empirischen Teil von der Einleitung abzuspalten und trotz 32 Plagiaten auf wenigen Einführungsseiten nicht von Fehlverhalten zu sprechen. So degradiert man die Einleitung zum Vorwort und sagt, was man von seinen Promotionen hält."

17. März 2016Bearbeiten

  • Berliner Morgenpost: Das Dilemma medizinischer Dissertationen. Warum Arbeiten von Ärzten besonders oft von Plagiatsvorwürfen betroffen sind (Peter-André Alt) "Seit einigen Jahren stehen medizinische Dissertationen im Fokus einer kritischen Öffentlichkeit. Ursula von der Leyen war nur das prominenteste Beispiel in einem langen Reigen von Fällen, die Anlass zur Diskussion von Qualitätsstandards boten. Unter den Arbeiten, die sich Plagiatsvorwürfen ausgesetzt sehen, sind Doktorarbeiten der Medizin besonders häufig. [...] Die Debatte über die Qualität der ärztlichen Wissenschaft muss ehrlich geführt werden – mit Blick auf die strukturellen Mängel, die es zu beheben gilt."

20. März 2016Bearbeiten

  • Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (Nr. 11, S. 2): Dr. von der Leyen (Wolf-Rüdiger Heilmann) [Leserbrief zu: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (13. März 2016, Nr. 10, S. 10): Hört endlich auf mit dem Promovieren! (Jürgen Kaube)] "Die Wortklaubereien des Hochschul-Senats sind ein Hohn. 'Fehler, aber kein Fehlverhalten' - diese Haarspalterei könnte als Standardausrede bei Betrug und in Arbeits- und Strafprozessen in die Rechtsgeschichte eingehen. [...] Die Entscheidung zugunsten von der Leyens ist für diejenigen, die wissenschaftliche Standards hochhalten und akademische Titel und Grade nicht zu Karnevalsorden verkommen lassen wollen, eine schallende Ohrfeige."

23. März 2016Bearbeiten

  • Der Tagesspiegel": Plagiate: „Hannover steht leider nicht alleine da“ (Anja Kühne) "Fünf Jahre VroniPlag Wiki: Gerhard Dannemann, Professor an der Humboldt-Universität, über den Fall Ursula von der Leyen und die Arbeit der 'Plagiatsförster'. [...]
    Warum nehmen die Richter die Wissenschaft ernster als manche Wissenschaftler?
    Ich halte es für wahrscheinlich, dass die MHH hier den Weg des geringsten Widerstandes gegangen ist: Lieber die Rechtsprechung passend hinbiegen als Frau von der Leyen zu beschädigen oder gar eigene Verantwortung der Hochschule für die Fehler zu übernehmen. Da steht die MHH leider nicht ganz allein."

24. März 2016Bearbeiten

  • Die Welt: Wen Plagiatsjäger künftig ins Visier nehmen (Michael Fischer, Werner Herpell) "Zu Anfang scannten die Mitarbeiter von VroniPlag Dissertationen von Politikern. Jetzt haben sie ganz normale Wissenschaftler im Blick. Der Platform-Gründer sucht heute für Geld nach Plagiaten. [...]
    Die 'Leistungsbilanz' der Plagiatsforscher nötigt auch der Wissenschaft, die anfangs teilweise noch Nestbeschmutzung witterte, überwiegend Respekt ab. So sagt der wichtigste Experte für korrekte wissenschaftliche Praxis in Deutschland, Ombudsmann Wolfgang Löwer: 'VroniPlag macht eine beachtliche Arbeit.' [...]
    [...] VroniPlag hat den Anspruch, mit einem Fall erst an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn er umfassend dokumentiert ist und Zahl und Art der Plagiate ein klares Bild abgeben."
  • heise online: Wissenschaftler fordert mehr Diskretion bei VroniPlag (dpa/kbe) "Die Arbeit der VroniPlag-Enthüller wird mittlerweile mit einigem Wohlwollen und Respekt von der Wissenschaft beobachtet. Der oberste Qualitätsschützer für die Forschung wünscht sich aber mehr Diskretion in der Anfangsphase eines Plagiatsverdachts. [...] Der Bonner Wissenschaftsrechtsprofessor hat insgesamt jedoch viel Respekt vor der Plagiatdokumentations-Plattform: 'VroniPlag macht eine beachtliche Arbeit. [...]' [...] Diese Leute hätten in fünf Jahren immerhin Fälle aufgedeckt, 'die eine Titel-Entziehung gerechtfertigt haben oder zumindest eine intensive Prüfung. Darüber kann und darf das Wissenschaftssystem sich nicht beschweren.'"

25. März 2016Bearbeiten

  • ZEIT online: Plagiatsjäger weiter an Politikern mit Doktortitel dran (dpa) "[...] VroniPlag Wiki wird am Ostermontag fünf Jahre alt. [...]
    Unter den etwa ein Dutzend bei VroniPlag aktiven Plagiatsforschern gibt es noch einen, der sich anonym mit Politiker-Arbeiten befasst. VroniPlag-Mitbetreiber Gerhard Dannemann glaubt aber nicht, dass weitere spektakuläre Enthüllungen unmittelbar bevorstehen. 'In der Öffentlichkeit ist die Luft langsam raus aus dem Thema plagiierende Politiker.'
    Der wichtigste Experte für korrekte wissenschaftliche Arbeit in Deutschland, Wolfgang Löwer, zollt den Plagiatsforschern von VroniPlag Respekt. Sie machten eine "beachtliche Arbeit", sagte er der dpa. 'Es ist ja nicht so, dass sie das Zeug durch irgendein beliebiges Wortvergleichssystem schicken würden'"

28. März 2016Bearbeiten

  • Deutschlandradio Kultur: Fünf Jahre VroniPlag. Ehrenamtliche auf der Suche nach Plagiaten (Thomas Senne) "Eine von zehn eingereichten Doktorarbeiten, so schätzt Dannemann, enthalte unberechtigt übernommene Textpassagen. [...] [Dannemann:] 'Wir kriegen oft Lob von den Universitäten, die sich freuen, dass sie eine qualitätsgesicherte Dokumentation haben, in der sehr viel erfasst wird, was der Universität möglicherweise versteckt geblieben wäre. Aber natürlich auch das Umgekehrte. [...]' [...] Der letzte spektakuläre [...] Fall, bei dem Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen von entsprechenden Vorwürfen weitgehend reingewaschen wurde, besitzt für den 56-jährigen VroniPlag-Wiki-Insider allerdings einen schalen Beigeschmack. [Dannemann:] '[...] Die Entscheidung als solche will ich nicht kritisieren, aber die Begründung würde ich sehr heftig kritisieren. Denn sie ist mit der Rechtsprechung überhaupt nicht vereinbar. Die Rechtsprechung hat klare Maßstäbe dazu entwickelt, was Anzeichen für Vorsatz sind, also zum Beispiel wiederholte Verstöße gegen Zitierregeln, das Einschleifen von Texten, also am Rande etwas ändern hier und dort. Und dann in der Presseerklärung zu sagen: Es gibt kein Anzeichen für Vorsatz - das scheint mir sehr unplausibel.'"

29. März 2016Bearbeiten

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